www.AGPF.de
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V., Bonn
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Lorscheid+Mueller-LaRouche-Teil1.htm  Zuletzt bearbeitet am 26.9.2003
Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto


 
 

Buch gescannt von Ingo Heinemann.
Bitte infiormieren Sie mich insbesondere bei sinnentstellenden Fehlern.
 
 
 
Zu diesem Buch
Parteien, Vereine, Komitees und Wahlmaschinen, Companies, Verlage und Zeitschriften - multinational organisiert, mit Büros und Headquarters in den USA, Mexiko, Indien, Schweden, Norwegen, Italien, Frankreich und der Bundesrepublik, mit Repräsentanten in weiteren Ländern - das ist das LaRouche-Imperium. Der Führer des Polit-Multis ist Lyndon H. LaRouche, 64 Jahre alt, Amerikaner, «Unternehmensberater», «Philosoph», «großer Ökonom».

In der Bundesrepublik sind vor allem drei «Ableger» bekannt: die «Europäische Arbeiter Partei» (EAP), das «Schiller-Institut» und die neugegründete «Bürgergruppe Patrioten für Deutschland», die erstmals im Juni 1986 in Niedersachsen Stimmen sammelte. Helga Zepp-La-Rouche, Ehefrau des amerikanischen Führers, ist vielen Fernsehzuschauern von irritierenden Wahlkampfspots bekannt.

Der ungeklärte Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme brachte die LaRouches weltweit in die Schlagzeilen. Überraschende Wahlerfolge 1986 im US-Bundesstaat Illinois machten die Weltpresse abermals auf die merkwürdige Truppe aufmerksam. Kampagnen gegen AIDS und Drogen, die Verteufelung der ökologischen Bewegung («Grün = Nazis») und ihr Feldzug für die Kernfusion erzielten publizistische und zunehmend auch politische Erfolge.

Doch wer steckt hinter alldem? Die LaRouche-Mitarbeiter betreiben eine Abschottung wie Untergrundkämpfer im Widerstand gegen ein Terrorregime. Strengbewachte Gebäude, weltweite Kommunikationsverbindungen, konspiratives Auftreten - die Autoren Helmut Lorscheid und Leo A. Müller hatten es bei ihren Recherchen nicht leicht. Wer als «Gegner» der Organisation gilt, wird dauerhaft attackiert, verleumdet, ausgekundschaftet und mit übler Hetze verfolgt. Dennoch erteilen Innenpolitiker und Verfassungsschützer seit Jahren gebetsmühlenartig Unbedenklichkeitserklärungen. «Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse», lautet die offizielle Meinung.

Dieses Buch liefert zahlreiche neue Erkenntnisse, die völlig andere Fragen herausfordern.

HELMUT LORSCHEID, geb. 1955, freier Journalist, seit 1981 Mitglied der Bundespressekonferenz.

LEO A. MÜLLER, geb. 1959, Studium der Politikwissenschaften und Publizistik in Wien und Mainz, seit 1980 frei journalistisch tätig. Veröffentlichungen u. a.: «Die Wendejugend» (zusammen mit Klaus Farm), Rein-bek 1984 (rororo aktuell 5527).


 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 4


 

rororo aktuell - Herausgegeben von Freimut Duve
Originalausgabe

Veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH,
Reinbek bei Hamburg, Dezember 1986
Copyright © 1986 by Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH
Die Rechte des Beitrages von Dennis King und Ronald Radosh
«The LaRouche Connection» © 1984 by The New Republic
Alle Rechte vorbehalten
Umschlagentwurf Jürgen Kaffer /Peter Wippermann (Foto: Studio G. P. Reichelt)
Satz Times (Linotron 202)
Gesamtherstellung Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany
1080-ISBN3499159163



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 5


 
 

Inhalt

Die LaRouche-Connection. Zur Einführung 7

1. Die multinationale Arbeiterpartei: Patrioten, Humanisten, Schiller-Verehrer

«Für die Rettung der westlichen Allianz!» 17
Konferenz-Erlebnisse beim Schiller-Institut

Mit Friedrich Schiller gegen Richard Burt 23
Eine Organisation für internationale Kampagnen

«Scheinheiliger Holocaust-Schwindel» 31
Helga Zepp-LaRouche - ein Kurzporträt

«Patrioten für Deutschland» 35
Vaterlandsliebe mit militärischen Ehren

«Ich wollte nur die Sache in Gang bringen» 44
Interview im Buxtehuder Tageblatt mit dem Deutschen Patrioten Siegfried Labus

Die Europäische Arbeiter Partei EAP: 48
Problemlos von links nach rechts

2. «LaRouche is no Joke!»

LaRouche for President 57
Politischer Kampf und Einfluß in den USA

Die LaRouche-Connection 65
Wie die Führer einer verrückten Randgruppe Zugang zu Vertretern der US-Administration fanden und sich Respekt verschafften
Von Dennis King und Ronald Radosh

LaRouche und der Nationale Sicherheitsreat (NSC)
LaRouche und die Wissenschaftler im Verteidigungsbereich
LaRouche und Star Wars
LaRouche und der "totale Krieg"
LaRouche und der CIA
LaRouchismus an der Basis
Die Welt nach LaRouche


Ende des ersten Teils.
Das Inhaltsverzeichnis für den zweiten Teil wird dort wiederholt und dort befinden sich auch die Links

Zum zweiten Teil: http://www.AGPF.de/Lorscheid+Mueller-LaRouche-Teil2.htm


3. LaRouche und der Rest der Welt
Hetzkampagnen, Irreführung und Psychoterror 93 -«Journalisten das Fürchten lehren» 101
Mordverdacht 106
«KGB-Desinformation» im Fall Palme



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 6

4. An deutscher Technik soll die Welt genesen

La Rouche auf der Suche nach der Energiequelle für übermorgen 113
Technofanatismus, Elite-Denken und die «Lüge» vom Holocaust 115

Das Fusions-Energie-Forum (FEF) 117
LaRouche und die Gemeinde der Atomwissenschaftler

«Fusion» 120
LaRouche-Lobhudelei, Atomtechnologie und Nazi-Humor

Stars von gestern 126
Die Mitstreiter des Fusions-Energie-Forums

5. «Frieden schaffen mit Strahlenwaffen»
Weltraumspiegel 145
Die Träume des Hermann Oberth

LaRouche und die Generale 149

6. Konspirative Verbindungen
LaRouches vertrauliche Freunde 157

«Keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse» 163
Das Verhalten der Verfassungsschutzbehörden und Innenpolitiker

Familienbetrieb LaRouche NCLC-Kader in der Bundesrepublik 179

Register 189



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 7


 
 

Die LaRouche-Connection

Zur Einführung

Das Thema: ein Imperium von Parteien, Vereinen, Komitees und Wahlmaschinen, von Companies, Verlagen und Zeitschriften - multinational organisiert, mit Büros und Headquarters in den USA, Mexiko, Indien, Schweden, Norwegen, Italien, Frankreich und der Bundesrepublik, mit Repräsentanten in weiteren Ländern. Der Führer des Polit-Multis: Lyndon H. LaRouche, 64 Jahre alt, Amerikaner, «Unternehmensberater», «Philosoph», «großer Ökonom». Internationale Kommunikationsverbindungen halten sein Weltimperium zusammen, die tägliche Nachrichtenlage wird über Standleitungen und Fernschreiber rund um den Globus gesendet. Nachrichten, Meldungen und Dossiers werden international ausgetauscht und wiederum in der Landessprache in Wochenzeitungen, Fachzeitschriften und Spezial-Reports in den nationalen Büros produziert. Etwa 250 hauptamtliche Mitarbeiter in den USA arbeiten für die LaRouche-Organisation, geschätzte 30 Millionen Dollar werden jährlich ausgegeben. Die Mitarbeiter analysieren die Nachrichtenlage, werten die in- und ausländische Presse aus, organisieren Kampagnen und Wahlkämpfe, verscharfen sich Kontakte zu Militärs, Wissenschaftlern und Politikern. Auch nachts brennen in ihren Büros noch die Lampen.

In der Bundesrepublik ist - wie in anderen Ländern - nur ein Ausschnitt der LaRouche-Organisation bekannt: seit den siebziger Jahren die zunächst linksextreme, dann rechtslastige «Europäische Arbeiter Partei» (EAP) mit fast unveränderter Führungsriege um die Ehefrau des amerikanischen Führers, Helga Zepp-LaRouche, das 1984 gegründete «Schiller-Institut» und die «Bürgergruppe Patrioten für Deutschland», die ein Jahr später ins Leben gerufen wurde und als neue Partei bei der niedersächsischen Landtagswahl im Sommer 1986 kandidierte. Durch großformatige Anzeigen in auflagenstarken, überregionalen Tageszeitungen, Aufrufe mit teilweise prominenten Unterzeichnern aus dem rechtskonservativen Lager und aktions-orientierten Kampagnen auf Straßen und Plätzen vieler Großstädte sind diese Ableger des LaRouche-Imperiums vielen Bürgern aufgefallen. Mit «wirren und paranoiden» Thesen, wie Innenpolitiker ana-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 8

lysierten, haben sie für Verwirrung und Irritation gesorgt. Im ersten Kapitel werden diese Gruppen beschrieben. Doch niemand weiß so recht, was «dahintersteckt». Der reichlich aufwendig finanzierte Apparat organisiert zwar öffentliche Kampagnen, vor einer kritisch fragenden Öffentlichkeit fürchten sich jedoch die LaRouches. Sie betreiben eine Abschottung wie Untergrundkämpfer im Widerstand gegen ein Terrorregime. Doch gleichzeitig nutzen sie die rechtlichen und politischen Freiheiten in ihren Operationsländern extensiv aus.

Während hierzulande die Medien und Politiker das Thema La Rouche mit Ignoranz strafen wollen, haben in Skandinavien und den Vereinigten Staaten die Journalisten zur Wachsamkeit aufgerufen. «LaRouche is no Joke», schrieb die Los Angeles Times im April 1986. Die Washington Post würdigte dem Treiben der LaRouches eine große, mehrteilige Serie, renommierte Zeitschriften wie The New Re-public veröffentlichten umfangreiche Porträts, die International Herald Tribüne druckte eine LaRouche-Story.

Überraschende Wahlgewinne der LaRouche-Kandidaten in den Vorwahlen im US-Bundesstaat Illinois machten die Politiker in der demokratischen Partei hellhörig. Über den Schock berichteten sämtliche großen Blätter in den Vereinigten Staaten. Die Beiträge in Time und Newsweek sollten sich jene verantwortlichen Politiker zu Gemüte rühren, die sich über die Wahlerfolge der LaRouche-«Bürgergruppe Patrioten für Deutschland» wunderten.

Dennis King, freier Journalist in New York, ist weltweit der erfahrenste Publizist in Sachen LaRouche. Seit vielen Jahren recherchiert und schreibt er über die merkwürdige Organisation. LaRouches Publikationen kommentierte er im März 1986 in einer Fernseh-Talk-show von ABC News als den «abscheulichsten Antisemitismus, den dieses Land jemals gedruckt gesehen hat». Den großen Führer Lyn-don H. LaRouche bezeichnete er als «eisenharten Neonazi».

In einem Beitrag für das angesehene US-Magazin The New Repu-blic beschrieb er zusammen mit Ronald Radosh sehr eindrucksvoll, wie diese «verrückte Randgruppe» Einfluß auf die US-Administration und deren Politik gewann: sie sind die schärfsten Befürworter für militärische Konfliktlösungen, einerlei ob es sich um nationale, soziale oder internationale Konflikte handelt.
Auch wenn die zitierten Politiker und Beamten nicht mehr alle in den Funktionen tätig sind, wie sie im Aufsatz von King und Radosh angegeben wurden, gibt der Artikel Aufschlüsse über mögliche Ziele und Motive der LaRouche-Aktionen in Europa und Ländern der Dritten Welt.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 9

Vor dem Hintergrund der beiden amerikanischen Autoren erhalten die in der Bundesrepublik recherchierten Fakten eine besondere Brisanz. Deshalb haben wir diesen Beitrag im zweiten Kapitel nachgedruckt.

Mit der jüngsten Propaganda-Initiative waren die LaRouches in den USA ganz besonders erfolgreich. Mit Hilfe einer Bürgerinitiative unter dem Namen «Panic» organisierte die LaRouche-Organisation eine Anti-AIDS-Unterschriftensammlung in Kalifornien für ein Volksbegehren, um eine Meldepflicht für AIDS-Positive einzuführen. Trotz Protesten von Ärzte verbänden und zahlreichen politischen Organisationen war die Aktion ein durchschlagender vorläufiger Sieg für die LaRouches: 683000 Unterschriften kamen zusammen, fast doppelt so viele, wie für ein Volksbegehren in dem US-Bundesstaat notwendig sind.
Das «Prevent AIDS Now Initiative-Committee» (Panic) forderte sogleich auch in der Bundesrepublik die Meldepflicht und Quarantäne für alle AIDS-Verdächtigen und einen «Kriegsplan» gegen die Immunschwäche.
Großspurig wurde gleich eine neue «Strategische Verteidigungs-initiative» aus der Taufe gehoben, diesmal «auf dem Gebiet der Biologie». Die Anlehnung an den militärischen Sprachgebrauch ist nicht zufällig: Die LaRouche-«Experten» sehen die Ursache der Seuche in Moskau. Dort soll das Virus als Bio-Waffe entwickelt worden sein.
 
 
 

Die LaRouche-Organisation in der Bundesrepublik
 

Organisationen

• Europäische Arbeiter Partei (EAP)
• Akademie für Humanistische Studien
• Club of Life
• Anti-Drogen-Koalition (ADK)
• Deutsch-französisches Komitee zur Förderung der Kernenergie
• Fusions-Energie-Forum (FEF)



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 10


 

• Schiller-Institut (SI) Bürgergruppe <Patrioten für Deutschland»

Gesellschaften

• Campaigner Publications Deutschland GmbH & Co Vertriebs KG
• Executive Intelligence Review Nachrichtenagentur GmbH
• Verlag Karl Heinz Holz
• Dr. Böttiger Verlag
• P&F Progress-GmbH & Co Besitz-, Vermietungs- und Service-KG
• P&FBetriebsverwaltungsges. mbH

Medien

• Neue Solidarität (Wochenzeitung)
• Fusion
• Ibykus
• Spuren und Motive
• Executive Intelligence Review (EIR)

außerdem zahlreiche Bücher und <special-reports>.
Fast alle Organisationen und Gesellschaften haben ihren Sitz in Wiesbaden und besitzen ein Pendant in den Vereinigten Staaten.
 
 

Einfach ist es wirklich nicht, über das Netzwerk von Organisationen des Amerikaners Lyndon H. LaRouche zu berichten. Erfahrungen anderer Journalisten wirkten nicht eben ermutigend auf die Autoren. Nach Berichten über die Europäische Arbeiter Partei wurden sie mit überaus unüblichen Zuschauer- und Leser-Reaktionen behelligt. Diffamierende Telefonanrufe und andere Belästigungen waren die Regel. Einige Redakteure wurden sogar offen in der LaRouche-Zeitung Neue Solidarität (NS) angegriffen. Der Wissenschaftsjournalist Mathias Schulenburg durfte nach einer WDR-Hörfunksendung in der NS nachlesen, daß er zwischenzeitlich tödlich verunglückt sei. Der Heidelberger toz-Korrespondent Felix Kurz wurde in einem NS-Bei-trag in den Kreis der RAF-Terroristen eingereiht. Ebenso widerfuhr es der Karlsruher Justiz-Gerichtsreporterin der Frankfurter Rundschau, Ulrike Knapp. Andere wurden als «Gegner des Schiller-Instituts» in einer großen Graphik aufgelistet. Aus den Vereinigten



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 11

Staaten und anderen Operationsgebieten der LaRouche-Organisa-tion gibt es ähnliche Erfahrungsberichte von kritischen Journalisten, die neugierig wurden.

Unsere Begegnungen mit den Damen und Herren dieser ehrenwerten Gesellschaft verliefen ebenfalls recht unerfreulich. Wir mußten erkennen, daß Einladungen, die zum Beispiel das Schiller-Institut an alle Bonner Parlamentskorrespondenten verteilte, keineswegs so zu verstehen sind, daß diese somit auch tatsächlich an den illustren Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Mehrere Male schlössen sich die Türen vor der Nase des Bonner Mitautors: kein Zutritt für die Presse.
Pressekonferenzen ohne Journalisten, das ist beim Schiller-Institut, der Europäischen Arbeiter Partei und den Patrioten für Deutschland keine Seltenheit.

Dem zweiten Autor wurde ebenfalls die Teilnahme als Pressevertreter an einer Konferenz des Schiller-Instituts verwehrt, zu der öffentlich mit Handzetteln auf der Straße und durch Pressemitteilungen nach Wiesbaden eingeladen wurde. Der Journalist wurde nach der Anmeldung zu der angeblich öffentlichen Veranstaltung wieder ausgeladen. Trotzdem fanden wir einen Weg. Nachzulesen in: «Für die Rettung der westlichen Allianz!»
Später durfte der Mitautor aus dem Rhein-Main-Gebiet bei einem Lokaltermin vor dem heimlichen Headquarter der Organisation in einem Winzerdorf bei Mainz zusammen mit dem Korrespondenten einer schwedischen Tageszeitung die Bekanntschaft mit «Willi Wacker» machen. Der LaRouche-Beschützer, der sich so humorvoll vorstellte, war eifrig bemüht, das Gespräch für Porträtaufnahmen mit der Fotokamera zu nutzen. «Ich bin hier der Gärtner», erzählte er auf Nachfragen nach seiner Aufgabe. Genüßlich erzählte er teils richtige, teils falsche Einzelheiten über den Mitautor: «Wir haben auch recherchiert!»

Besonders gerne verbreiten die LaRouches solche zweifelhaften <Erkenntnisse> in ihrer Wochenzeitung: «Einer der <Mitarbeiter> der grün-braunen Fraktion, ein gewisser Helmut Lorscheid, sagte seinen Redebeitrag zum Thema <Militärstrategische Absicherung der Welt-wirtschaftsordnung> leider wegen des Ausfalls der gleichnamigen Arbeitsgruppe ab. Daher konnten viele brennend an dem Thema interessierte Zuhörer nicht erfahren, ob er die Waffenbeschaffungsaktionen der RAF kommentieren wollte. Es ist noch in guter Erinnerung, daß eine Veranstaltung des Schiller-Instituts wegen einer Bombendrohung abgesagt werden mußte. Lorscheid hatte sich den Vormittag über auf der Kundgebung herumgedrückt und wurde auch in der



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 12

Nähe des Veranstaltungsortes gesehen. Es ist aber auszuschließen, daß er etwa selbst die Bombendrohung veranlaßt hat [...].»

Eine für die Organisation typische Mischung von Erfindung, Diffamierung und einem Kömchen Wahrheit. Der Autor sollte auf einer Alternatiweranstaltung zum Weltwirtschaftsgipfel über Rüstungsexportpolitik referieren, er nahm auch als Journalist an einer Demonstration des <Schiller-Instituts> in Bonn teil. Er drückte sich nicht in der Nähe des Veranstaltungsortes nun, sondern war in der Aula der Bonner Schule, die das Institut für sich gemietet hatte. Er wies sich auf Verlangen der Veranstalter korrekt als Journalist aus - und wurde hinauskomplimentiert, mit dem Argument, «Grüne, Mitarbeiter der taz und des WDR» dulde das Schiller-Institut nicht. Auch zu dieser Veranstaltung war zuvor öffentlich auf dem Bonner Münsterplatz eingeladen worden.

Lyndon H. LaRouches Umgangsformen mit allen Kritikern und Nichtgetreuen, dem Rest der Welt sozusagen, waren uns ein Kapitel dieses Buches wert. Im Mittelpunkt ihrer Hetzkampagne stehen heute die Grünen, früher war es die SPD. Besonders im Schußfeld ist die Politikerin Petra Kelly. Sie führt in den USA einen Prozeß gegen die Hetze. Wegen juristischer Rücksichtnahmen konnte die Betroffene kein Interview für dieses Buch geben.
Hartnäckiger Hetzpropaganda war ebenso über Jahre hinweg der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ausgesetzt. Das tödliche Attentat an dem sozialistischen Regierungschef brachte die EAP weltweit in die Schlagzeilen, weil bei den schwedischen Ermittlungsbehörden ein ehemaliger LaRouche-Anhänger zeitweise in Tatverdacht geriet . Wir dokumentieren den Ablauf der Berichterstattung über diesen Vorfall und zeigen Beispiele der Haßtiraden auf Olof Palme.

Neben der Verteufelung des Gegners denkt die LaRouche-Organisation auch sonst in extremen Dimensionen: eine neue Elite muß her, die Atomtechnologie muß die Zukunftsprobleme der Industrie- wie der Entwicklungsländer gleichermaßen meistern, die «zionistische Lobby» muß eliminiert werden. Dieser Ideensalat ist Gegenstand des vierten Kapitels: «Deutsche Technik für die Welt!» Dort kann auch nachgelesen werden, wie sich die LaRouches die Durchsetzung ihrer technofanatischen Zukunftsmodelle vorstellen. Als Mitstreiter haben sie in den USA wie in der Bundesrepublik durchaus honorige Atomwissenschaftler gefunden. In der Gemeinde der wissenschaftlichen Freunde LaRouches treffen sich auch Raketenbauer und Atomforscher wieder, die schon für Adolf Hitlers Weltkriegsbewaffnung sorgen sollten. Verehrer und Sammelbecken dieser alten Kameraden ist das «Fusions-Energie-Forum», das auch für das Mammut-Atomkraft-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 13

werk in Cattenom kämpfte. 1982 gründeten die LaRouches bereits das «Deutsch-französische Komitee zur Förderung der Kernenergie», zu Ehren von Cattenom sozusagen.

Stramm auf Linie sind auch die Freunde aus der Rüstungsforschung und der Armee. Nicht wenige Militärs aus führenden Positionen in den USA, Frankreich, Italien, Österreich und der Bundesrepublik sind dabei. Ihre Devise: «Frieden schaffen mit Strahlenwaffen». Im fünften Kapitel wird darüber berichtet.

Der konservative Professor Erwin K. Scheuch entdeckte in den La-Rouche-Publikationen «durchaus lesenswerte Informationen» - trotz seiner Enttäuschung über die Unterschrift für das ihm zuvor unbekannte Schiller-Institut. In der Tat, die Veröffentlichungen enthalten teilweise überaus interessante Fakten - immerzu angereichert mit Schlagzeilen und Verschwörungstheorien, die die Politiker in den Innenministerien und die Beamten in den Verfassungsschutzämtern zu dem General urteil veranlassen, die LaRouches seien «wirr und paranoid» - also nicht ernst zu nehmen. Die gebetsmühlenartig verbreitete amtliche Haltung zum Thema wird gleichlautend seit Jahren mit drei Worten erläutert: «keine sicherheitsrelevanten Erkenntnisse».

Im sechsten Kapitel beschreiben wir das Verhalten dieser verantwortlichen Politiker.

Es ist nicht die Aufgabe der Journalisten, die Arbeit der Sicherheitsbehörden zu machen. Sie können staatliches Handeln nicht ersetzen.

Wir wollen mit unserer Milieustudie über die LaRouche-Organisa-tion lediglich vor gefährlichen Entwicklungen warnen und über die uns zugänglichen Hintergründe informieren. Kurz vor Drucklegung dieses Buches erreichte uns die Nachricht über umfangreiche Ermittlungen der US-Behörden gegen die LaRouche-Organisationen. Ihnen wird vorgeworfen, durch großangelegten Kreditkarten-Trickbe-trug Millionen-Dollar-Beträge erschlichen zu haben. In diesem Zusammenhang durchsuchten im Oktober 1986 600 Polizisten das Hauptquartier LaRouches in Lessburg/Virginia. Ob die Ermittlungen der zuständigen US-Behörden die Frage der Finanzierung der LaRouche-Aktivitäten zumindest teilweise klären, bleibt abzuwarten. Für uns ist diese Frage unbeantwortet geblieben. Unklar blieb uns auch das Interesse vieler Mitstreiter LaRouches. Dennoch konnten wir Fakten über Ideologie und Aktion der LaRouche-Organisa-tion zusammentragen, die ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen notwendig machen. Diese Hoffnung verbinden wir mit unserer Veröffentlichung.

Viele am Thema Interessierte haben uns über eine lange Dauer der



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 14

Recherche hinweg geholfen. Sie gaben Hinweise und erzählten von eigenen Erfahrungen - als Politiker, als Journalisten, als Wissenschaftler - und als Beamte. Sie halfen uns bei der Beschaffung von Dokumenten und bei der Interpretation der Zusammenhänge.

Zu besonderem Dank sind wir den Kollegen in den USA verpflichtet, die uns über die historischen und aktuellen Aktivitäten der La-Rouche-Organisation in ihrem «Ursprungsland» informierten. Dennis King und Ronald Radosh sowie der Zeitschrift The New Republic danken wir für die Nachdruckgenehmigung ihres Beitrages.

Freunde und Kollegen in der Bundesrepublik machten uns Mut für die Beschäftigung mit einem in vieler Hinsicht undankbaren Thema. Viele von ihnen stellten uns ihre Archive, Dokumentationen und ihre eigenen, unveröffentlichten Recherchen zeitweise zur Verfügung.

Wir danken ihnen allen. Ihre Namen können wir hier nicht nennen, um sie vor folgenreichen Konsequenzen zu schützen.

Bonn, im Oktober 1986 Helmut Lorscheid / Leo A. Müller



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 15


 
 

1. Die multinationale Arbeiterpartei:
Patrioten, Humanisten,
Schiller-Verehrer

«Wie kann man auf diese Menschen einwirken? Sehr einfach. Die Leute sind fremdbestimmt, mit Ausnahme einiger seltener Individuen, vielleicht drei oder vier Prozent in den westlichen Nationen, die ein gewisses Maß Moral besitzen und moralische Verantwortung dafür empfinden, welche Meinung sie sich aneignen...
Die meisten Stimmen, die meine Liste in den USA erhält, kommen nicht von Leuten, die aus vernünftigen Gründen mit meiner Politik übereinstimmen. Die gibt es auch, einige Zehntausende in den USA, aber die meisten unterstützen mich aufgrund des Panik-Prinzips, aufgrund von Fremdbestimmung.»

Rede von Lyndon H. LaRouche auf der «internationalen Konferenz» des Schiller-Instituts in Mainz-Hechtsheim am 22. Juni 1986, veröffentlicht in Neue Solidarität am 10. Juli 1986.
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 17


 
 

«Für die Rettung der westlichen Allianz!»
Konferenz-Erlebnisse beim Schiller-Institut

Wiesbaden, im September 1984. Am Rande der Fußgängerzone stehen sie wieder, die Leute von LaRouche, verteilen Flugblätter und Broschüren von ihrem großen Lyndon Hermyle LaRouche und seiner Frau Helga. Mal nennen sie sich «Europäische Arbeiter Partei», ein anderes Mal heißen sie «Private Akademie für Humanistische Studien» oder «Fusions-Energie-Forum».

Diesmal wird besonders eifrig agitiert. Zwei junge Frauen, die durch ihre schlichte, nüchterne Kleidung in der schicken Wiesbadener Innenstadt schon auffallen, erzählen etwas von Friedrich Schiller. Unterschreiben soll man wieder. Doch jeder Interessierte erhält auch eine Einladung zu einer Konferenz, zur «Zweiten Internationalen Konferenz des Schiller-Instituts 21. bis 23. September in Wiesbaden».

Das Motto der angekündigten Veranstaltung: «Für die Rettung der westlichen Allianz!» Für das kleine Einladungsschreiben zeichnet ein bisher unbekanntes «Schiller-Institut» verantwortlich - eine Art «Goethe-Institut»? Die Adresse: Hinrichsring 12 in 3000 Hannover.

Mehr erfährt man, wenn man das kleine Heftchen aufklappt. Ein Grußschreiben von Helga Zepp-LaRouche an die «Lieben Bürger!». Die aus Fernseh-Wahlkampfspots bekannte EAP-Vorsitzende macht wieder auf drohende Weltgefahren aufmerksam: «Mit großer Sorge muß man sich seit einiger Zeit die Frage stellen, worauf die wirklichen Absichten der Sowjetunion gegenüber der Bundesrepublik und dem gesamten westlichen Europa zielen ...»
Die meisten Passanten legen das Blatt nach einem kurzen Blick auf diese Zeilen, teilweise irritiert, teilweise genervt, wieder zurück -oder stecken es in den nächsten Papierkorb.

Doch einen aufmerksamen Journalisten interessiert natürlich die «Stärkung der westlichen Allianz». Ein Besuch der Konferenz könnte lohnen.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 18


 

Doch schon tritt das erste Problem auf. Nicht wie sonst bei solchen Einladungen üblich, findet man in dem Prospekt den Tagungsort des Schiller-Instituts (SI).

Anrufe bei der Lokalredaktion einer Tageszeitung und bei städtischen Behörden. Fehlanzeige. Niemand weiß, wo das Ding steigt. Die Mitarbeiterin im städtischen Verkehrsbüro ist schon vollkommen verzweifelt. Sogar Bonner Botschaften würden bei ihr anfragen, aber sie wisse von nichts.

Dann endlich, der Pförtner im noblen Kurhaus erzählt etwas von einer großen Tagung. Überall würden emsig Leute organisieren und Schilder auf englisch anbringen und alles absperren.

Für die Anmeldung über das Konferenzbüro ist es schon zu spät. Das Anmeldeformular aus dem Prospekt soll erst an das Konferenzbüro geschickt werden: «Rainer Apel, c/o EIR, Postfach 2304, 200 Wiesbaden». Ein Hotelzimmer brauche ich nicht, auch wenn die laut Formular zu zahlenden Übernachtungskosten nicht sehr hoch erscheinen: 40 Mark für die Preisklasse A (Pension) und 70 Mark für die B-Klasse (Hotel). Wie machen die das bloß bei den teuren Wiesbadener Hotels?

Erster Anlauf einer Anmeldung als Pressevertreter. Der Chefredakteur einer lokalen Stadtzeitung telefoniert mit dem Konferenzbüro und kündigt den Vertreter seiner Redaktion an. Freundliche Reaktionen: alles klar. Konferenzbeginn am Freitag um 20.00 Uhr im Kurhaus, Großer Kursaal. Doch fünf Minuten später kommt der Rückruf. Ganz freundlich, aber bestimmt wird dem verwunderten Redakteur bedeutet, daß seine Redaktion nicht erwünscht sei: «Sie brauchen es auch gar nicht zu probieren. Wir lassen Sie nicht rein.» Das macht Journalisten erst richtig interessiert.

Zweiter Anlauf. Ein Freund aus einer anderen Großstadt meldet sich im Konferenzbüro mit leicht verändertem Namen an. Er muß seine Telefonnummer hinterlassen. Rückrufe aus dem Tagungsbüro kommen sogleich. Es sei alles ganz einfach, der Teilnehmerbeitrag von 40 Mark müsse auf das Konto Nr. 0323980 der Deutschen Bank in Hannover überwiesen werden. Er könne dann mit dem Zahlungsbeleg nach Wiesbaden kommen.

Nichts einfacher als das. Mit dem Namen des hilfreichen Freundes, nennen wir ihn hier einfach Hans Meyer, wird der Betrag eingezahlt.

Freitag, 21. September. Kurz vor Konferenzbeginn betritt «Hans Meyer» das Kurhaus. Zahlreiche Teilnehmer sind schon eingetroffen. Das Foyer des großartigen, klassischen Hauses, Herberge des Wiesbadener Spielcasinos, ist schon für die Konferenz hergerichtet.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 19

Anmeldetische, Büchertische, ein unbeaufsichtigter Pressetisch, alle mit feinem Stoff ausgelegt. Die Anmeldung ist alphabetisch abgelegt.

Auf Vorzeigen des Zahlungsabschnittes passiert zunächst nichts. Dann kommt ein weiterer Organisationsmann, fragt nach dem Namen und mit wem denn telefoniert worden sei. «Frau Vitali» war die Gesprächspartnerin des Hans Meyer. Der Herr Meyer soll bitte einen Moment warten.

Wenig später kommt die junge Elke Vitali: «Wir hatten miteinander gesprochen?» - «Ja, gestern. Guten Tag!»

Es würde noch ein wenig dauern, dann würde Hans Meyer sein Teilnehmer-Ticket erhalten. Die eifrige Mitarbeiterin verschwindet in den Organisationsräumen und kommt fünf Minuten später mit einem Computerausdruck zurück. Das Namensschild zum Anstecken an das Revers trägt in Computerschrift den Namen Hans Meyer.
Die meisten ankommenden Konferenzbesucher kennen sich offensichtlich schon. Freundschaftliche Begrüßungen und distanziert freundliche Gespräche in kleinen Gruppen sind die Regel. Ein Texa-ner, etwas allein herumlaufend, fragt nach Meyers Herkunft. Der eher nach einem Cowboy aussehende Rentner meint, er sei das erste Mal in Deutschland: «Very nice here!»
Die eigentliche Konferenz findet im sehr noblen Kursaal statt. Doch erst heißt es Schlange stehen. Alle Besucher müssen eine elektronische Schleuse durchschreiten. An den Eingängen hängen deutliche Warnschilder: keine Fotoapparate, keine Tonbandgeräte, Rauchen verboten.
Der Eintritt in den Kursaal erinnert an die Einlaßkontrollen zu den Verhandlungen in Stuttgart-Stammheim. Jeder Besucher wird gründlich überprüft. Taschen müssen abgegeben werden, Kleidertaschen müssen geleert werden. Der Inhalt, Kleingeld, Kugelschreiber, Taschentuch usw., wird in ein Körbchen abgelegt und eingehend untersucht. Schreibstifte und Kugelschreiber werden dabei sogar aufgeschraubt und auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Beim Verlassen des Saales gibt es eine leicht mildere Prozedur. Mit einem Handdetektor wird dort jeder Besucher nochmals auf Metallteile geprüft. Diese Sicherheitsmaßnahmen sorgen für Ruhe im Saal. Jeder überlegt sich zweimal, ob er den Raum verläßt, um kurz einen Kaffee zu trinken.
Pünktlich beginnt die Veranstaltung mit einem abendlichen Konzertprogramm. Den Einstieg gibt das Lafayette-Trio mit Wolfgang Amadeus Mozart: Divertimento in Es-Dur, KV 563 (1788). Der Amerikaner John Sigerson, Tenor, macht weiter mit Ludwig van Beethoven, begleitet am Piano von Marie-Pierre Soma.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 20

Sigerson wird als Präsident des Schiller-Instituts vorgestellt. Er hat das Singen tatsächlich gelernt. Sigerson studierte Kontrabaß bei Gary Karr an der Juillard-Musikschule in New York. 1974 gründete er dort den Chor der Lafayette Foundation und nahm Gesangsunterricht bei Herta Müller an der Yale-Universität. Auch bei den LaRouches ist er integriert: der Tenor ist «Journalist von Executive Intelligence Review und dort für den europäischen Sektor zuständig».

Seine musikalischen Vorträge bringen ihm bei den Besuchern großen Applaus und stehende Ovationen ein.

Nach Abschluß des Konzertes verlassen die Teilnehmer den Kursaal, bis auf wenige LaRouche-Leute, die sich noch zu einem «special meeting» treffen.

Am nächsten Tag beginnt erst der eigentlich interessante politische Teil der Veranstaltung. Das Programm des Tages wird erst kurz vorher ausgehändigt. Auch die Namens-Anstecker müssen erneuert werden. In einer zeitaufwendigen Prozedur müssen erst alle Teilnehmer vor ihrem Anmeldetisch Schlange stehen, um den Anstecker vom Vortag gegen einen neuen, andersfarbigen umzutauschen. Dasselbe Verfahren wird auch am letzten Tag wiederholt.

Wieder die gleichen Sicherheitsvorkehrungen. So dauert es lange, bis alle Konferenzbesucher Platz genommen haben. Der Teilnehmerkreis erinnert eher an eine Jahresversammlung von IBM-Vertretern als an eine politische Tagung. Auffällig ist die internationale Zusammensetzung der Besucher. Hier wird englisch und deutsch ebenso wie dänisch, schwedisch, französisch oder italienisch gesprochen. Für den Vortragsteil der Veranstaltung wurde eine Simultan-Dolmetscheran-lage installiert, die die vielsprachigen Reden über Kopfhörer den Teilnehmern in ihrer Muttersprache überträgt.

Das Podium ist bereits in großen Lettern mit dem Motto verziert: «Für die Rettung der westlichen Allianz!» Dahinter die deutsche und die amerikanische Flagge.

Es beginnt mit Musik von Martin Bück und dem Lafayette-Trio. Die Eröffnungsrede kommt - wie sollte es auch anders sein - von der Vorsitzenden des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche: «Welche Werte hat der Westen zu verteidigen?»

Es wird ruhig im Saal. Die Reden der EAP-Vorsitzenden dauern gewöhnlich sehr lange. Wer bis jetzt noch nicht weiß, wo er gelandet ist, dem kann jetzt nichts mehr verborgen bleiben. Das gesammelte LaRouche-Weltbild, ein Ideenbrei aus humanistischem Bildungsideal, klassischen, konservativen Werten und aktuell-politischen Verschwörungstheorien, rieselt auf die Zuhörer nieder.

Es soll den ganzen Tag so bleiben. Jeweils mit großem Applaus



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 21

bedacht, kommt die ganze Riege der LaRouche-Kämpfer zu Wort. Nach Helga Zepp-LaRouche gibt es einen Vortrag über «Benjamin Franklins Netzwerk in Europa» von Hartmut Cramer, der als «Landesvorsitzender der EAP Nordrhein-Westfalen» vorgestellt wird. Paul Goldstein aus den Vereinigten Staaten referiert über die «Cin-cinnatus-Gesellschaft». Dr. Henryk Olesiak aus Düsseldorf spricht über seinen Landsmann «Tadeusz Kosciuszko als Symbol des polnischen Kampfes für Unabhängigkeit und Demokratie». Angelika Rai-mondi, junges Vorstandsmitglied im Schiller-Institut (SI), hat die «Zerstörung der deutschen Kultur in Amerika» als Thema gestellt bekommen.

Dann kommt die Zeit für Grußworte. Auf dem Programmzettel sind einige schon angekündigt: Senator Vincenzo Carollo, Sheila Jones, Marie-Madeleine Fourcade, die französische EAP-Presiden-tin, und Georgia Irey. Doch die aktuell verlesenen Telegramme kommen von interessanteren Persönlichkeiten, von denen einige allerdings nachher dementieren: der französische Staatspräsident Mitterand, Minister Spadolini aus Italien, der Stellvertreter des US-Verteidigungsministers, Ex-Bundespräsident Karl Carstens, Dieter Hummel von der IHK Wiesbaden und zahlreiche weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Am Nachmittag geht es dann nach musikalischem Einstieg an Cello und Piano weiter mit einer «Diskussion» über «Die sowjetische Konfrontationspolitik und die Sicherheitsinteressen Westeuropas». Die Einführung dazu gibt Michael Liebig, SI-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Nachrichtendienstes Executive Intelligence Review. Das Podium der Nachmittagsvorträge ist sehr militärisch bestückt: unter anderem sitzen dort der Ex-Oberst Michaud aus den USA, der Oberst a. D. Marc Geneste aus Frankreich, «Vater der französischen Neutronenbombe», der General a. D. Giulio Macri aus Italien, ehemals Mitarbeiter im Brüsseler NATO-Hauptquartier SHAPE und SI-Beiratsmitglied, der österreichische General a.D. Kuntner, Hans Ericsson, ehemaliger Vorsitzender der schwedischen Transportarbeitergewerkschaft, Lennart Hane, ebenfalls aus Schweden, der Deutsche Robert Becker vom «Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold» und Uwe Henke von Parpart von der amerikanischen Fusion Energy Foundation.

Ihre Vorträge haben alle dieselbe Zielrichtung: rür eine stärkere Bindung Westeuropas an die USA, gegen eine vermeintliche «Abkopplung» Europas. Die Waffennarren wollen diese Allianz entsprechend gerüstet sehen: Strahlenwaffen heißt die Lösung für den Ost-West-Konflikt.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 22

Die anschließende «Diskussion» hat ganz besondere Prinzipien. Die an die Teilnehmer verteilten Zettelchen für eine «Wortmeldung» haben nicht - wie sonst bei politischen Konferenzen üblich - die Funktion, den Namen des Fragestellers dem Tagungspräsidenten mitzuteilen. Hier dürfen die Konferenzbesucher ihre Frage auf drei vorgedruckte Zeilen aufschreiben. Die solcherart gestellten Fragen werden dann vorne von der Vorsitzenden sogar persönlich beantwortet. Helga Zepp-LaRouche verfährt dabei wie eine Dorfschullehrerin mit ihren ABC-Schützen. Sie sammelt einige Fragen, die ihr besonders zusagen, und beantwortet diese in ausschweifenden, langatmigen Vorträgen. Besonders gefallen ihr offenbar Informationsfragen wie: «Ist Kissinger wirklich so schlimm?» Oder: «Was hat das Schiller-Institut mit dem Goethe-Institut zu tun?»

Selten gibt es konkrete Antworten, dafür aber kräftige Sprüche über die «Gegner des Schiller-Instituts». Über die Alternativpartei im Bundestag weiß die SI- und EAP-Vorsitzende zu berichten: «Grün und Rot macht Braun!» Dann will sie «eine neue Renaissance weltweit schaffen». Auch auf das Erreichte ist Helga Zepp-LaRouche stolz: «Wir haben schon ganze Säulen in der Weltpolitik ins Wackeln gebracht!» Deshalb ein neuerlicher Appell an die Besucher: «Ich schlage vor, zwei Wochen nach dem amerikanischen Wahltermin, wenn es geht eine doppelt so große Konferenz des Schiller-Instituts zu machen, um in das Ohr von Präsident Reagan reinzu... reinzu... ääh ... jedenfalls ganz schön laut!» So lieb kann sie sein, die Helga Zepp-LaRouche. Und der ganze Saal lacht mit ihr.
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 23


 
 
 
 
 

Mit Friedrich Schiller gegen Richard Burt
Eine Organisation für internationale Kampagnen
 

Ariington im US-Bundesstaat Virginia, Anfang Juli 1984. Gründungskonferenz des Schiller-Instituts.
«Das Schiller-Institut, dessen Beirat in den USA und der Bundesrepublik bereits rund 400 Experten aus vielen Ländern angehören und das im September in weiteren europäischen Ländern gegründet wird, hat sich zur kurzfristigen Aufgabe gesetzt, für die reformbedürftigen Bereiche der westlichen Allianz neue Studien vorzulegen, und zwar in den Bereichen Kultur und Geschichte, Militärstrategie, Ökonomie und Wissenschaft» (Helga Zepp-LaRouche). Das SI, auch als «Institut für republikanische Außenpolitik» bezeichnet, erhält für die Erfüllung dieser Aufgaben vier Abteilungen, deren erste die «Abteilung für militärstrategische Zusammenarbeit» ist.
Militärisches wird bei den Schiller-Verehrern sehr groß geschrieben. Noch mehr Wissenschaftler und Ex-Generale als in Wiesbaden waren bei der Gründungskonferenz in den Vereinigten Staaten zusammen. Als Referenten traten in Ariington am 3. und 4. Juli 1984 neben den bundesdeutschen LaRouche-Mitarbeitern Anno Hellenbroich, Michael Liebig und Dr. Uwe Parpart-Henke folgende Referenten auf:
aus Italien
• Filippo deJorio, «Abgeordneter der Christdemokratischen Partei, Lazio, Rom»;
• Claudia Pollastri, «Sozialdemokratische Partei (PSDI), Mailand;
außenpolitischer Ausschuß der PSDI, Mailand»;
• Giulio Macri, «General a.D.; ehemaliger Mitarbeiter beim SHAPE, Beiratsmitglied des Schiller-Instituts, Rom»;
23
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 24

aus der Bundesrepublik Deutschland
 


Ein Telegramm zur Gründungskonferenz kam von dem Raumfahrtpionier Dr. Krafft A. Ehricke, «Präsident der Space Global Company in La Jolla, Kalifornien; Mitglied der Fusion Energy Foundation, Berater des Magazins Fusion, Träger des Goddard-Gedächtnispreises des Amerikanischen Institute of Astronautics and Aeronautics».
Im amerikanischen und europäischen Beirat des Schiller-Instituts sitzen zahlreiche Ex-Militärs und Rüstungswissenschaftler.
In den beiden Vorständen sind wiederum bekannte LaRouche-Leute. Der bundesdeutsche Vorstand hat als Vorsitzende Helga Zepp-LaRouche und als weitere Mitglieder LaRouche-Mitarbeiter, die schon seit Jahren in anderen LaRouche-Vereins- und Parteivorständen oder als Unternehmensgesellschafter bekannt sind: Renate Müller, Michael Liebig, Elisabeth Hellenbroich, Rainer Apel, Web-ster Tarpley und Angelika Raimondi. Im US-Vorstand (Board of Di-rectors) sitzen ebenfalls Deutsche, die beiden Helga Zepp-LaRouche und Renate Müller, die wenig später bei der LaRouche-Gründung «Patrioten für Deutschland» Spitzenfunktionen wahrnimmt.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 25


 
 
 
Seit seiner Gründung hat das Schiller-Institut bereits zahlreiche Aktivitäten entfaltet.
Zunächst fing es mit Schiller-Feierlichkeiten an, die mit Aktionen und Demonstrationszügen unter anderem durch Dortmund, München, Mannheim, Bonn, West-Berlin und Hannover führten. Mit Schülern wurden Schiller-Rezitationen veranstaltet. Jugendorchester musizierten mit ihrem klassischen Repertoire.
Dabei gingen die Schiller-Anhänger vor allem lautstark gegen ihre vermeintlichen Gegner vor. Zum Beispiel ein Plakat in der Celler Innenstadt, aufgestellt am 18. Februar, 1985: «27. Februar - Tag des Widerstandes gegen Drogenhandel, Terroristen und Grüne».
Zum 225. Geburtstag des Weimarer Klassikers gab es allerdings auch liebenswürdige Aktionen. Zur Feier des hohen Tages wurden in Mannheim, der Stadt der «Räuber-Uraufführung, «Teil-Äpfel», Brötchen und rosa Nelken verteilt. Die kreative Kampagne wurde
Kundgebung in Sachen Schiller &Co in Bonn, 1985 (Fotos: Adolf Altgaßen)

 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 26


 
 
musikalisch mit passenden Klängen begleitet. Aus dem Auto-Lautsprecher tönte es «Freude, schöner Götterfunken». Der große Klassiker verhalf den LaRouches sogar zu Tagungsräumlichkeiten in einer Pfarrgemeinde und in der Mannheimer Universität. Professor Gerd Roellecke, der seine Aula großzügig zur Verfügung stellte, reagierte genervt auf Studenten-Proteste: «Wenn die Friedrich-Ebert-Stiftung hier tagen würde, stünden sie jetzt nicht hier ...» Seit seiner Gründung verdrängt das Institut die Flugblätter und Presseerklärungen der Europäischen Arbeiterpartei und der anderen älteren Gruppen <Anti-Drogen-Koalition>, <Private Akademie für Humanistische Stu-dien> und <Club of Life>. Die LaRouche-Aktivisten haben wieder eine neue Fahne, unter der sie für ihre hohen Ziele in den Kampf ziehen.

Eine der größten Kampagnen war ihr Kampf gegen die Ernennung des jetzigen US-Botschafters in der Bundesrepublik, Richard Burt -«eine der Schlüsselpersonen in einem Netzwerk von Leuten um


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 27


 
 
Henry Kissinger, das seit den siebziger Jahren die <Abkopplung> der Vereinigten Staaten von Westeuropa betreibt». Alles Böse wird dem amerikanischen Diplomaten von Lyndon H. LaRouche in einem Papier nachgesagt, das «in großer Auflage sowohl in amerikanischen wie in europäischen Kreisen zirkuliert»: «[...] Burts Ernennung bedeutet mit etwa achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit, daß die konservative Regierung von Bundeskanzler Kohl noch in diesem Herbst gestürzt wird.»

Dazu ist es nun doch nicht gekommen, und Richard Burt ist trotz der aufwendigen LaRouche-Kampagne Botschafter in der Bundesrepublik geworden. Die zehn Gegenstimmen aus dem US-Senat gegen seine Ernennung verbucht LaRouche jedoch ganz selbstbewußt als Erfolg der Schiller-Kampagne. Genüßlich zählen die LaRouche-An-hänger in einer Broschüre mit dem Untertitel «Burt, Genscher und Brandt wollen Europa an die Sowjetunion verschachern» die Burt-Gegner aus dem US-Senat auf. Senator Howell Heflin zum Beispiel «soll in seiner Abstimmung gegen Burt stark durch Telefonanrufe aus der Bundesrepublik Deutschland beeindruckt worden sein». Auch
 


Kundgebung in Sachen Schiller & Co in Bonn, 1985 (Fotos: Adolf Altgaßen)

 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 28


 
 
sonst scheint Senator Heflin ganz auf ihrer Linie zu liegen: «Er stimmte gegen den IWF und gegen Paul Voicker und trat für die MX-Rakete ein.»

Die Nein-Stimme von dem bekannten Republikaner Barry Goldwater erfreute die LaRouches ganz besonders. Zufrieden über den Erfolg ihrer Kampagne, zitieren sie die Rede Senator Goldwaters vom 15. Juli 1985: «Herr Präsident, ich erhielt vor ungefähr einer halben Stunde, und das war das erste Mal in meiner über dreißigjährigen Tätigkeit in dieser Institution, über 26 Telefonanrufe aus der Bundesrepublik Deutschland, die sich alle gegen die Nominierung Burts zum Botschafter aussprachen. Wie gesagt, so etwas habe ich noch nie erlebt. Ich weiß nicht, ob es von jemandem aus unserem Land initiiert worden war. Ich weiß nicht, wer die Quelle ist. Ich denke, der Senat sollte sich für diese Tatsache interessieren.»


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 29


 
 

Zur Ergänzung eine kleine Leseprobe aus der Anti-Burt-Broschüre über den Einfluß des sowjetischen Geheimdienstes in der Bundesrepublik: «Andropows Mentor, der verstorbene Michael Suslow, gründete in den siebziger Jahren zur Unterwanderung Westeuropas und der Vereinigten Staaten via DDR eine Frontorganisation des sowjetischen Geheimdienstes, den Verband der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Der VVN bedient sich u. a. früherer Kollaborateure der Nazis in den Konzentrationslagern jüdischer Abstammung als erpreßbare Agenten im sowjetischen Interesse. Obwohl auch gewisse sozialdemokratische, nominell jüdische Organisationen an dieser subversiven Operation mitwirkten, war es doch im wesentlichen der VVN-Appa-rat, über den Moskau den <Bitburg-Skandal> gegen Präsident Reagan ins Leben rief und steuerte.»

Eines der Länder, zu dessen Regierungsstellen das Schiller-Institut hervorragende Kontakte aufbauen konnte, ist Tunesien. So berichtete AlAlmal, die Zeitung der regierenden «sozialistischen» Destour-Partei, ausführlich über dessen Aktivitäten. Sozusagen aus erster Hand. DerA/A/ma/-Chefredakteur Ahmed Kedidi, gleichzeitig auch Mitglied des Zentralkomitees und Parlamentsabgeordneter seiner Partei, ist Gründungsmitglied des Schiller-Instituts. Angaben der Neuen Solidarität zufolge wurden die Kontakte Ende Januar 1985 intensiviert. Die Vertreter des Schiller-Instituts, Webster Tarbley und Thierry Lalevee, besuchten auf Einladung Kedidis Tunesien. Während ihres Aufenthalts hatten die beiden Gelegenheit, «sich mit zahlreichen Vertretern der tunesischen Regierung zu treffen und über die Arbeit des Instituts zu beraten. Die Aktivitäten des Schiller-Instituts erfuhren große Beachtung in den tunesischen Medien.» In der zensierten Presse erschienen fünf Artikel, und im Femsehen wurde viermal über den Besuch der Schiller-Institut-Vertreter berichtet. Webster Tarpley gehört zumindest 1984 dem Vorstand des Instituts in der Bundesrepublik an.

Thierry Lalevee sollte wenig später mit intimen Kenntnissen tunesischer Diplomatie aufwarten. So berichtete er am 10. Oktober 1985 über gewisse Hintergründe des israelischen Angriffs auf das PLO-Hauptquartier in Tunis, bei dem 60 Menschen ums Leben kamen und weit über einhundert verletzt wurden: «Alles deutet darauf hin, daß amerikanische Regierungsvertreter darauf gedrungen haben, den PLO-Vorsitzenden in letzter Minute vor dem beabsichtigten Schlag zu informieren. Arafat und andere Palästinenserführer waren gewarnt worden, sich von Dorj-Cedria fernzuhalten, ebenso wie man den amerikanischen Beamten in Tunesien vorher geraten hatte, im gegebenen Augenblick zu Hause zu bleiben [...].»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 30

Diese detaillierte Darstellung der Abläufe, die der Weltöffentlichkeit bisher nicht bekannt wurde, wird von tunesischen Oppositionellen untermauert - Menschen, deren Quelle sicherlich nicht LaRou-ches Neue Solidarität ist, sondern Gesinnungsfreunde im heimischen Tunis.
Der Gegenbesuch ließ nicht lange auf sich warten. Amor Ben Romdhane, Gründer und Leiter der tunesischen Behörde zur Förderung der Agrarinvestitionen (APIA), konnte am 21. und 22. Februar 1986 an einer Konferenz des Schiller-Instituts über das Nahrungsmittelproblem teilnehmen. Stolz berichtete die Neue Solidarität: «Herr Romdhane sprach als Vertreter der tunesischen Regierung.» Auf entsprechende Nachfrage der Autoren bei der tunesischen Botschaft in Bonn erklärte deren Sprecher Abdel J. Azouz zunächst, er glaube nicht, daß Romdhane an dieser Konferenz teilgenommen habe, zur Sicherheit werde er aber nachfragen. Tatsächlich, er nahm teil - so lautete die zweite Auskunft des Botschaftsvertreters. Allerdings habe Romdhane nicht gewußt, wer hinter dieser internationalen Fachkonferenz steht. «Er wußte nichts vom Schiller-Institut.» Romdhane habe auch nicht «für seine Regierung gesprochen».
Solche Dementis sind beim Schiller-Institut und bei anderen La-Rouche-Organisationen keine Seltenheit. Ist dieses Verhalten der Politiker lediglich auf ihre bloße Naivität zurückzuführen?
Die Frage nach Sinn und Zweck der LaRouche-Kontakte zu Tune-sien beantworten Kenner des Landes mit der Rolle dieses Landes als traditionellem Brückenkopf westlicher Kapitalinteressen in dieser Region. Tunesien befinde sich auch nach mehr als zwanzig Jahren seiner Unabhängigkeit im Zustand einer französischen Halbkolonie. Die französische Regierung bestimme nach wie vor weitgehend die Außenpolitik des Landes. Gleichzeitig sei innerhalb des Machtapparats eine Rivalität zwischen zwei Fraktionen entstanden, die sich auf Frankreich und die EG bzw. auf die USA hin orientierten. In diesem Spiel könnte das Schiller-Institut den US-amerikanischen Part unterstützen.
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 31


 
 
 

«Scheinheiliger Holocaust-Schwindel»
Helga Zepp-LaRouche - ein Kurzportrait
 
 

Wenn sie bei einer ihrer zahlreichen Kundgebungen und Konferenzen vor sympathisierendem Publikum ihre philosophisch umhüllten Hetz-Reden gegen Kissinger, das «Ostküsten-Etablishment», die Grünen und alle anderen «Neo-Malthusianer» hält, dann ist sie kaum noch zu bremsen. Mit Leichtigkeit kann sie damit den ganzen Abend füllen.

Dem bundesdeutschen Wählerpublikum ist Helga Zepp-LaRouche hauptsächlich von EAP-Plakatwänden und Wahlkampf-Femsehspots bekannt. Nach der Tagesschau verkündete sie in der Wahlwerbung für das Europaparlament vor allem Fortschrittsgläubigkeit: «Diese ausgezeichnete Kernanlage hier in Biblis», dozierte sie vor dem Atomkraftwerk stehend, «ist ein Symbol für die wirtschaftliche Stärke der Bundesrepublik [...]. Wählen Sie mich, damit Europa viele solcher Kernkraftwerke erhält.»

Im Kampf gegen die Grünen, ihren derzeitigen Hauptgegner in der Bundesrepublik, hat sie in den USA schon Erfolge erzielt. In einem Vermerk vom 10. Mai 1985 warnte der bei einem Flugzeugabsturz umgekommene Kenneth J. McDonald, damals konservativer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, vor der Gefahr der westdeutschen Oppositionspartei. Die Quelle seiner Dokumente:
«Im Oktober 1984 rief Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende der European Labour Party ELP (=EAP, Anm. d. A.) und Gründerin des Schiller-Instituts, zu einer weltweiten Mobilisierung für ein Verbot der Grünen auf, um Moskaus Plan zu durchkreuzen, die Grünen mit einer <rot-grünen Koalitiom in Bonn an die Macht zu bringen.»

Männer vom Schlage Kenneth J. McDonalds geben dieser forschen Politikerin Selbstbewußtsein. Helga Zepp-LaRouche, früher auch als Helga Ljustina oder Zepp-
3
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 32


 
 
 
Ljustina bekannt, wurde 1948 in Trier geboren. Die Vorsitzende der Europäischen Arbeiter Partei (EAP), absolvierte in Trier auch ihr Abitur. Danach folgte eine Journalistenausbildung in Hannover und Hamburg, unter anderem mit einem Volontariat bei der Hannoverschen Presse. Ihre Partei berichtet gerne über ihre journalistische Karriere und daß sie 1971 als «erste westliche Journalistin nach der Kulturrevolution China» bereiste.

Helga Zepp-LaRouche studierte in West-Berlin, Frankfurt und Mainz Philosophie, Geschichte und politische Wissenschaften. Seit 1977 ist sie mit Lyndon H. LaRouche verheiratet, dem «bekannten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler und Herausgeber des Nachrichtenmagazins Executive Intelligence Review.

In den zahlreichen von den LaRouches gegründeten Vereinen, Organisationen und Unternehmen spielt sie eher eine zurückhaltende Rolle. Ihre wichtigste Aufgabe war lange Zeit der Parteivorsitz in der


Helga Zepp-LaRouche bei einer Kundgebung in Bonn, Oktober 1980 (Foto: Frank Darchinger)

 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 33


 

EAP. Die Vorstände und Gesellschaftsanteile von Vereinigungen und Unternehmen werden im wesentlichen von einer Gruppe von etwa 30 LaRouche-Mitarbeitern gehalten.

Die Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen, Hauptziel des Schiller-Instituts, lebt sie sozusagen persönlich vor. Ihre Ehe mit dem amerikanischen Gründer der LaRouche-Organisa-tion, dem «Philosophen» Lyndon H. LaRouche, und ihre Repräsentationsaktivitäten für die Organisation führen dazu, daß sie ihr Leben jeweils zur Hälfte in den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik bestreitet.

Wie auch die anderen LaRouche-Mitarbeiter unternimmt sie sehr häufig Reisen, bei denen sie mit ihrem Ehemann zum Teil erstaunlich hoch dotierte Gespräche führen konnte, unter anderem mit der ermordeten indischen Staatschefin Indira Gandhi und dem mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo.

Sehr zurückhaltend tritt sie auch bei der Bürgergruppe Patrioten für Deutschland auf. Im Kleingedruckten erscheint sie bei Anzeigenkampagnen der <Patrioten> als Mitunterzeichnerin mit der Funktionsangabe «Vorsitzende des Schiller-Instituts».

Weniger vorsichtig ist die selbstbewußte, mit ihrem dunklen, stets schulterlangen Haar sehr jugendlich wirkende Helga Zepp-LaRouche in ihren politischen Äußerungen. Ganz schwungvoll stellte sie sich 1976 in Bonn zum Beispiel vor einer Handvoll Journalisten als Kanzlerkandidatin vor: «Wenn der Wähler vor die Alternative gestellt wird, zwischen Frau Renger, Frau Hamm-Brucher und mir zu wählen, dann wird er schnell erkennen, daß ich die wahre Gleichberechtigung und Demokratie verkörpere.» Über ihren Konkurrenten Helmut Kohl wußte die energische Dame schon damals Details zu berichten. Sie verglich ihn mit Jimmy Carter: «Beide haben ein Hirn, grad so groß wie eine Erdnuß.»

Die Grünen werden von ihr als verkappte Nazis beschimpft, Sozialdemokraten als dumme Grünen-Sympathisanten in die Ecke gestellt. Helga Zapp-LaRouches Weltbild baut auf einfachen Denkmodellen auf. Auch wenn es um die Juden geht, weiÜ die Vorsitzende der Null-Komma-Prozent-Partei alles besser. Sie unterscheidet feinfühlig in «zionistische» und «nicht-zionistische Juden». In einem Editorial in der Neuen Solidarität klärte sie die Leser am 25. Januar 1979 über die rechte Sicht der Faschismus-Geschichte auf. In dem Beitrag mit dem Titel «Der zionistische Holocaust heute» regte Helga Zepp-LaRouche sich gewaltig über die Aussendung und den Erfolg des amerikanischen Holocaust-Films auf.

Sie verfolgte in ihrer umwerfenden Analyse die «Netzwerke», die
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 34

den Film initiiert hätten: «ein Nest zionistischer, das heißt ausländischer Agenten in der Bundesrepublik». Nur sie zählt zu den wenigen über die wahren Hintergründe Informierten: «Während in den USA niemand auch nur die geringsten Illusionen über die Macht der zionistischen Lobby über vor allem die gegenwärtige Administration hegt, ist der Einfluß einer verdeckter operierenden zionistischen Lobby in der Bundesrepublik bisher nur wenigen eingeweihten politischen Persönlichkeiten bekannt, nicht aber der breiten Bevölkerung. Und deshalb müssen wir den scheinheiligen Holocaust-Schwindel zum Anlaß nehmen, um diese ausländischen Agenten auffliegen zu lassen.»



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 35


 
 
 

«Patrioten für Deutschland»
Vaterlandsliebe mit militärischen Ehren
 
 
 
 

«Wir wollen jetzt selbst die Macht übernehmen, nicht mehr immer nur in die CDU intervenieren.» Der Landtagswahlkampf wurde im Frühjahr 1986 in Niedersachsen mit ganz neuen Tönen geführt. La-Rouche-Mitarbeiter gingen in ihrer Telefon-Agitation gegenüber Abonnenten und Interessierten zur Sache. Die «Partei», die so schnell in Hannover die Macht übernehmen wollte, nennt sich «Bürgergruppe Patrioten für Deutschland». Am Telefon erklärte ein Kämpfer, wie dies durchgesetzt werden sollte. «Wir haben eine gesunde Mischung aus ehemaligen Militärs und Mittelständlern», erzählte er über seine Kandidaten. Auf die CDU war er nicht gerade gut zu sprechen: «Wir haben nur Todenhöfer auf unserer Seite», und meinte damit den Afghanistan-Experten der christdemokratischen Bundestagsfraktion, Jürgen Todenhöfer. Der US-Wahlkampf des großen Lyndon H. LaRouche gebe ihnen Hoffnung. Er soll 1988 Präsident der Vereinigten Staaten werden, eine Kandidatenbewegung in allen Bundesstaaten soll die Präsidentschaftskampagne vorbereiten.

Die neue LaRouche-Gruppe, kaum gegründet, stiftete gewaltige Verwirrung bei den Beobachtern der rechtsextremistischen Szene. So berichtete zum Beispiel der giesel-brief, ein laut Eigendarstellung «unabhängiger Informationsdienst zur vertraulichen Unterrichtung der Empfänger», am 23. Oktober 1985: «Das vor einem Jahr gegründete Schiller-Institut [...] sucht nach Bündnispartnern auf der rechten Seite des innenpolitischen Spektrums. Derzeit müssen sich Vorstandsmitglieder und Sympathisanten der CDU-nahen •(Konservativen Aktion> aufdringlicher Umarmungsversuche erwehren. Während ZDF-Moderator Gerhard Löwenthai und der Berliner Professor Klaus Motschmann die Zusammenarbeit mit der stramm antikommunistischen Organisation ablehnten, fand sich der Name von Professor Emil Schlee bei den Unterzeichnern eines Pamphlets ^Patrioten für



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 36

Deutschland^ des Schiller-Instituts. Christdemokrat und Vertriebe-nenfunktionär Schlee, der engen Kontakt zur konservativen Aktion> hält, zog allerdings seine Unterschrift wieder zurück, nachdem er über den politischen Hintergrund der Initiatoren dieses Flugblattes informiert worden war.»

In der Tat, die Verwirrung war in der rechten Szene komplett. Eine Woche vor Veröffentlichung dieses giesel-briefes, am 15. Oktober 1985, rief die <Bürgergruppe Patrioten für Deutschland> mit teuren, großformatigen Anzeigen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt, der Bild-Zeitung und etlichen regionalen Tageszeitungen zur «überparteilichen Sammlung» aller «patriotisch gesinnten Mitbürger und schon bestehender Gruppen und Vereinigungen» auf. Eile schien geboten, denn «immer mehr Bürger erkennen mit Besorgnis, daß wir in der Bundesrepublik Deutschland in Gefahr sind, unsere Freiheit für immer zu verlieren. Die jüngsten sowjetischen Militärmanöver haben wiederholt den Überraschungsangriff auf den Westen geübt [...].» Sich in einer solch prekären Situation auf die Bonner Regierung zu verlassen erschien den Patrioten wenig erfolgversprechend: «Das große Problem besteht darin, daß die von der Bundesregierung versprochene Wende nicht stattgefunden hat. Bei Fortsetzung ihrer Wirtschaftspolitik wird die steigende Arbeitslosigkeit spätestens 1987 zur Wahlniederlage führen. Aber die Gefahr einer Staatsniederlage besteht nicht erst für 1987, sondern kann sich gegenwärtig sehr schnell an weiteren Spionageskandalen, Terrorismus und daraus resultierenden Regierungskrisen entwickeln.»

Die Forderungen könnten in ähnlicher Form von jedem x-beliebigen CDU-Kreisparteitag stammen: «Ein rot-grünes Regierungsbündnis in Bonn muß verhindert werden.» Fest stehen zum Bündnis mit Amerika «als einzigem Garanten unserer Freiheit», Ja zu SDI und ein Friedensvertrag «für Deutschland in allen seinen Teilen, damit das deutsche Volk in nationaler Souveränität über sich selbst bestimmen kann». Die Politik des Wirtschaftswachstums, die «produktive Vollbeschäftigung garantiert und uns wieder eine führende Rolle als Exportnation vor allem gegenüber unseren traditionellen Märkten in Lateinamerika, Asien und Afrika ermöglicht [...]».

Die Erziehung soll sich wieder «auf der Grundlage der deutschen klassischen Kultur» und des Humboldtschen Bildungsideals orientieren. Für den Bereich der Musik und Dichtung werden als «beste Beispiele Beethoven und Schiller» genannt. Für die harte Politik empfehlen die Patrioten lieber «preußische Reformer wie vom Stein, Scharnhorst und Gneisenau». In den Naturwissenschaften stehen die Tradition von Leibniz, Gauß, der Göttinger Schule und der Welt-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 37

raumpioniere der zwanziger Jahre als Vorbild. Letztere haben sich vor allem im Krieg gegen Großbritannien als Konstrukteure der sogenannten V-Raketen bewährt. Zu ihnen und ihren Kollegen in der Atomforschung hält die LaRouche-Organisation über ihr Fusions-Energie-Forum einen besonderen Kontakt (siehe Seite 126).

In der Unterzeichnerliste dieser und weiterer Anzeigen, die in den folgenden Monaten ebenso großformatig erschienen, finden sich zwar etliche Namen führender Vertreter der bundesdeutschen LaRouche-Organisationen, ein direkter Bezug wird erstmalig jedoch nicht hergestellt. Diskret zeichnete der EAP-Landesvorsitzende in Nordrheinwestfalen, Hartmut Cramer, als «Journalist, Hessen», Angelika Raimondi, bescheiden als «freie Journalistin, Hessen» vorgestellt, schreibt vorzugsweise in der Neuen Solidarität und verantwortet Flugblätter des Schiller-Instituts. Schließlich unterzeichnete auch Helga Zepp-LaRouche, immerhin als «Vors. des Schiller-Instituts, Hessen».

Verantwortet wurde die Anzeige von einem weiteren Kader: Rainer Apel, Oranienstraße 60, 62 Wiesbaden.

Im Hintergrund der «Patrioten-Gründung stand neben Helga Zepp-LaRouche auch der Vorsitzende des Verbandes der Reserveoffiziere und ehemalige Präsident der US-amerikanischen Organisation «Peace through Strength» (Frieden durch Stärke), Milton Croom.

Als «Koordinator des amerikanischen Ad-hoc-Komitees gegen die Nominierung Richard Burts zum amerikanischen Botschafter in Bonn» wurde Croom in der Neuen Solidarität vorgestellt. Er hatte zuvor im Oktober 1985 «auf persönliche Einladung der Gründerin des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche» die Bundesrepublik besucht. Während dieses Besuches traf Croom nach Angaben der Zeitung «mit konservativen Politikern von der CDU, der SPD und den Gewerkschaften zusammen sowie mit ehemaligen hohen Bundeswehroffizieren und Sicherheitsexperten». Milton Croom selbst wird mit der Erklärung zitiert, Hauptziel seiner zehntägigen Reise sei es gewesen, «direkte Kontakte zwischen den Konservativen in Deutschland und Amerika herzustellen und Informationskanäle aufzubauen, die nicht der Kontrolle des amerikanischen Außenministeriums unterliegen».

Als ein Höhepunkt seiner Polit-Tour wurden die Begegnungen mit Professor Emil Schlee und dem Oberstleutnant a. D. Boldt in Schleswig-Holstein sowie Besuche in Bitburg und Berlin genannt.

In Washington berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP), daß Croom kein LaRouche-Kandidat bei dessen Wahlkämpfen sei. Er unterstütze jedoch viele LaRouche-Positionen, und ein Mitarbeiter LaRouches würde für ihn arbeiten.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 38

Professor Emil Schlee war bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung Anfang 1985 Vertriebenenbeauftragter in Schleswig-Holstein. Der Bundesvorsitzende der «Landsmannschaft Mecklenburg» brachte seine Enttäuschung über die Wende-Regierung Ende 1985 in einem von Günter Rohrmoser im rechtskonservativen Sinus-Verlag herausgegebenen Buch zu Papier. Zitat aus dem Rohrmoser-Werk mit dem Titel «Das Debakel»: «Man kann fest davon ausgehen, daß sich diese große und treue Wählergruppe (der Vertriebenen, Anm. d. A.), die man rücksichts- und gedankenlos politisch heimatlos gemacht hat, zusammen mit anderen Gruppen eine wählbare Alternative aufbauen wird [...]. Beim nächsten Termin könnten die 40 Prozent Wechselwähler wissen, wohin sie wechseln können, und könnten die Taktiker unter den Wählern aus Protest gegenüber den bürgerfernen großen Volksparteien diesen mit dem Wahlzettel einen Denkzettel verpassen, der ausreichen könnte, zu einer mittelgroßen Partei <zusammen-gewählt> worden zu sein. Jedem Wahlstrategen sei gesagt: Die wahlpolitische Rolle der Vertriebenen und Flüchtlinge ist nicht am Ende, sondern beginnt jetzt erst wieder durch die Herausforderung der politischen Parteien.»

Schlee ist stolzer Träger des Sturmzeichens aus Hitlers Krieg und Bundeswehr-Hauptmann der Reserve. 1981 schrieb er in einem Argumentationspapier, das die Landsmannschaften zur Darlegung ihrer Deutschlandpolitik versandten: «Kein Bundeskanzler, keine Bundesregierung, kein Deutscher Bundestag kann über irgendeinen Quadratmeter deutschen Bodens im Osten oder Westen, im Norden oder Süden verfügen.»

Die CDU, in die er 1967 eingetreten war, verließ Professor Schlee 1985, offenbar in der Hoffnung, mit seinen «Patrioten» neue politische Ufer zu erreichen. Die Enttäuschung muß groß gewesen sein, als er von Freunden über die Hintergründe der neuen LaRouche-Organisation informiert wurde.

Erfahrungen in der unerwünschten «Vorfeldarbeit» für die Union hat ein anderer <Patriot>, vielleicht der prominenteste Erstunterzeichner: Professor Friedrich-August Freiherr von der Heydte, Brigadegeneral der Reserve und ehemaliger Landtagsabgeordneter in Bayern. Der Professor für Öffentliches Recht in Würzburg war Mitgründer und Präsidiumsmitglied des Vereins «Rettet die Freiheit», der 1959 unter anderem von Rainer Barzel gegründet wurde. Er leitet außerdem das «Institut für Staatsrechtslehre und Politik e.V.», von dem direkte Verbindungen zur «Staatsbürgerlichen Vereinigung» führten, eine der Geldwaschanlagen der konservativen Parteien.

Ein weiterer <Patriot> ist Karl Adolf Zenker aus Bonn, ein Vizead-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 39


 
 
 
miral a. D. der Bundeswehr, der zuvor als hoher Marine-Offizier am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte. Bereits 1951 zog es ihn wieder zum Militär, als Mitarbeiter im <Amt Blank>, verantwortlich für den Aufbau einer neuen Marine. Sein Konzept, veröffentlicht im Bulletin der Bundesregierung am 11. Februar 1954: «Ist auch die Ostsee ein Randmeer, so führt sie doch weit in den Raum eines möglichen Gegners hinein und bildet für ihn eine offene Flanke, an der er verletzlich bleibt.» Zenker erklärte noch elf Jahre nach Kriegsende zu den in Nürnberg verurteiltefc Kriegsverbrecher und deren Taten bei einer Rekrutenvereidigung am 16. Januar 1956 in Wil-helmshaven: «... Jeder von uns alten Marineleuten weiß, daß die Marine sauber, anständig und ehrenhaft geführt worden ist [...]. Wir Alten, die wir in der alten Marine unter den Großadmiralen Raeder und Dönitz dienten, haben unter ihnen ehrenhaft gekämpft. Das Nürnberger Urteil ist aus der Zeit der damaligen Verwirrung entstanden, heute würden die Großadmirale nicht mehr verurteilt werden [...].»

Militärs vom Schlage Zenkers spielen eine wichtige Rolle bei den


Zenker mit Dolch und maritimen Erinnerungen (Foto: Uwe Heitkamp)



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 40

«Patrioten». Neben von der Heydte und Zenker haben auch die Brigadegenerale a.D. Friedrich Wilhelm Grunewald, Paul-Albert Scherer sowie Konteradmiral a. D. Dr. Eberhard Noodt unterzeichnet.

Grunewald mischte sich ebenso wie Zenker aktiv in den niedersächsischen Landtagswahlkampf ein. Der ehemalige Referatsleiter im Bundesverteidigungsministerium (1964-1969) und frühere Stellvertretende Befehlshaber im Territorialkommando Süd, Heidelberg, war ab 1971 politisch aktiv bei der CDU, zuletzt als Vorsitzender des Landesfachausschusses Verteidigung in Baden-Württemberg. Im Frühjahr 1986 jedoch stand für ihn fest: Die <Patrioten> sind die Alternative. Die Wahl der Kandidaten der <Patrioten für Deutschland^ so ließ er wissen, «ist die Entscheidung für ein blühendes Niedersachsen, für ein freies Deutschland und eine gesunde Weltordnung».

Paul Albert Scherer leitete bis zum 30. September 1977 den Militärischen Abschirmdienst (MAD). Mit seinem Namen verbunden sind zahlreiche illegale Abhöraktionen des militärischen Geheimdienstes. Im Zusammenhang mit falschen Angaben über die Zahl dieser Abhöraktionen mußten schließlich außer Scherer auch der damals für den MAD politisch verantwortliche Staatssekretär Helmut Fingerhut sowie Minister Georg Leber ihren Hut nehmen.

Der frühere NATO-General Eberhard Noodt erschien nur in den ersten Anzeigen, später fehlte sein Name ebenso wie der Zenkers. Davon unbeeindruckt sahen sich die <Patrioten> vom angeblich «ausgezeichneten Echo» auf ihre Inserate vom Oktober 1985 dazu veranlaßt, ihre Pressekampagne mit weiteren Anzeigen am 4. Dezember 1985 fortzusetzen. Diesmal erschienen die Anzeigen auch in der Augsburger Allgemeinen und den Nürnberger Nachrichten. Angaben des sozialdemokratischen Pressedienstes blick nach rechts zufolge kostete allein diese Serie etwa 170000 Mark. Zuvor hatte EIR-Geschäftsführer Michael Liebig einen Spendenaufruf verschickt: «Im Auftrag von Helga Zepp-LaRouche und Professor Schlee» wurden «patriotisch gesinnte Bürger» um Finanzhilfe gebeten, um «in drei bis vier Wochen eine neue Anzeigenkampagne zu starten, die dann konkrete Handlungskonzepte enthalten wird». Ob dabei die notwendigen 170000 Mark gesammelt wurden, darf angesichts der Erfahrungen anderer Gruppen bezweifelt werden. Die Dezember-Anzeige bezog sich ausdrücklich auf den Text der vorausgegangenen Anzeige vom 15. Oktober 1985. «Die Gefahren, vor denen wir in unserem ersten Aufruf warnten, haben sich leider bestätigt: In Hessen existiert bereits eine rot-grüne Koalition. Aufgrund der Anfragen vieler Bür-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 41

ger werden wir rasch auf zahlreichen regionalen Veranstaltungen unsere Vorstellungen zur Abwehr der ernsten Gefahren, die unserer Nation drohen, darlegen.

Deshalb: Wir müssen über den Gipfel zwischen Präsident Reagan und Gorbatschow hinausdenken. Wir lassen uns von dem törichten Gerede über eine neu aufgelegte <Entspannungspolitik> nicht blenden. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen, daß es eine Nach-Reagan-Ära geben wird. Die umfassende Kooperation mit Amerika bei der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) und die gleichzeitige Entwicklung einer Europäischen Taktischen Verteidigungsinitiative (TDI) sind jetzt wichtiger denn je, um dem Expansionsdrang Moskaus wirksam entgegenzutreten. Wir können es weder Herrn Genscher noch sonst jemandem erlauben, Bundeskanzler Kohl an der Unterzeichnung eines Regierungsabkommens über SDI mit den USA zu hindern! [...] Genausowenig werden wir uns damit abfinden, daß die rot-grünen <Freunde Moskaus> bei uns immer eifriger ihr Geschäft betreiben [...].»

Die <Patrioten> kündigten an, durch ihre Arbeit «Inspiration für eine moralische und kulturelle Erneuerung unseres Volkes zu sein. Wir stützen uns dabei auf das Erbe der 2500J ährigen christlich-humanistischen Tradition Europas, auf die deutsche Klassik, das Staatsmodell der preußischen Reformer und die Verknüpfung des Humboldt-schen Erziehungssystems mit den Aufgaben der Zukunft [...]»- 2500 Jahre Tradition, ohne Lücken und Ausnahmen.

Sie verkünden die Rettung vor uns drohender, moskaubestimmter Verelendung mit Unfreiheit und AIDS - durch Schiller, Scharnhorst, Fusionsenergie und SDI.

Noch schärfer wurde der Ton der Bürger- und Soldatengruppe im Vorfeld der niedersächsischen Landtagswahlen, nachzulesen am 21. März 1986 in der Braunschweiger Zeitung. Der Wahlkampf-Aufruf verbreitet Panik-Stimmung: «Liebe Mitbürger, Es riecht nach Verrat in unserer Republik! Das katastrophale Ergebnis der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein beweist, daß wir Patrioten mit unseren Warnungen vollkommen recht hatten. Die Kalkulationen der CDU sind voll danebengegangen. Die Zahl der enttäuschten Nicht-Wähler, vor allem die der CDU, ist auf 32 Prozent gestiegen. Nur um Millimeterbreite verfehlte eine rot-grüne Koalition in Schleswig-Holstein die absolute Mehrheit. Dies hat Signalwirkung für Niedersachsen. So wird die CDU mit Pauken und Trompeten in Niedersachsen verlieren [...].»Ihren Wahlkampf führten die «Patrioten für Deutschland» mit der seitens der EAP bekannten Papier- und Plakatflut, jedoch weitgehend ohne öffentliche Veranstaltungen.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 42

Die immerhin mit einhundert Kandidaten und Kandidatinnen flächendeckende Wahlliste wurde angeführt von Renate Müller, «Vorsitzende des deutschen Schiller-Instituts» Hannover. Die Verantwortung für Plakate und Aufrufe übernahm ein weiterer La-Rouche-Kader, Frank Hahn, der gleichzeitig Landesvorsitzender der Patrioten war.

Als Stellvertreter und im Vorstand und als Nummer 3 auf der Wahlliste füngierte Robert Gräper (64). Der ehemalige Bürgermeister seines Heimatortes Garstedt war zuvor vierzig Jahre in der CDU und stellvertretender Landesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises in Niedersachsen. Ehemalige Mitarbeiter bezeichneten ihn als äußerst konservativ und innerhalb der Kirche den Evangelikaien zugehörig. Vor allem im Bereich der Moral habe Gräper schon länger Differenzen zur CDU-Mehrheit geäußert.

Auf Platz 2 der Wahlliste kandidierte der ehemalige Funktionär eines Einzelhandelsverbandes Karl-Heinz Derbfuß (65). Seine Frau Herta warb im Wahlkreis Bissendorf für die gemeinsame Sache der <Patrioten>. Getreu der EAP-Tradition kämpften auch die <Patrioten> in Familienzusammenhängen. Unterstützung durch direkten Einsatz als Redner fanden sie unter anderem bei Vizeadmiral a.D. Karl-Adolf Zenker. In Wilhelmshaven, der Stadt, die ihm «von Jugend auf eine zweite Heimat ist» (Wilhelmshavener Zeitung, 6. Juni 1986), wetterte er gegen «SPD, Genscheristen und Grüne».

Zur Unterstützung wurden verschiedene Kandidaten der NDPC eingeflogen, die sich auf dem Ticket der Demokraten in verschiedenen US-Staaten an Wahlen beteiligten. So wurde mit Janice Hart, jener LaRouche-Kandidatin, die bei den demokratischen Vorwahlen in Illinois die Vorwahl für das Amt des Staatssekretärs gewonnen hatte, in Bonn eine Pressekonferenz abgehalten. Eingeladen dazu wurde auch einer der Autoren dieses Buches. Doch die Teilnahme wurde ihm verwehrt, nicht ohne LaRouche-übliche Pöbeleien.

Hauptberufliche Journalisten wurden auf dieser Presseveranstaltung nicht gesehen, dafür kamen gleich drei Angehörige der US-Botschaft: eine Pressekonferenz, ganz nach der Art der LaRouche-Organisationen, die ein besonders widersprüchliches Verhältnis zu den Medien haben.

In der Neuen Solidarität und einer tausendfach verteilten Wahlzeitung beschwerte sich Helga Zepp-LaRouche über die «Pressezensur in Deutschland» und jene «Verschwörung des Schweigens», die den <Patrioten> sehr zu schaffen mache. Für Helga Zepp-LaRouche eine willkommene Gelegenheit zur Abrechnung mit früheren Kollegen in der Hannoverschen Zeitung: «Ich kenne den ekelerregenden Partei



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 43

enfilz und die schmutzigen Praktiken in den Medien genau, denn damals kam es zu mehreren persönlichen Konflikten mit meinen Vorgesetzten, weil ich nicht bereit war, in dieser Grundsatzfrage faule Kompromisse zu machen...»

Verschwiegen wurde von ihr wohlweislich die damalige linksradikale, trotzkistische Ausrichtung der EAP. Auch nach der Wahl, die nicht die erhofften radikalen Veränderungen brachte, wurde die Journalistin nicht verlegen. Ein neuer Buhmann war schnell gefunden. Helga Zepp-LaRouche wußte es ganz genau: «Hinter dem Wahlbetrug von Niedersachsen steckt die trilaterale Abkoppler-Fraktion.» Nicht - wie auf Pressekonferenzen prophezeit acht, sondern 0,3 Prozent der Stimmen konnten die < Patrioten» bei der niedersächsischen Landtagswahl aufsich vereinigen. Immerhin 11287 Wähler votierten für sie. Die <Patrioten> lassen ihren Kopf nicht hängen: «Jetzt erst recht!» prangt die Überschrift in der Neuen Solidarität. «Wir werden den Kampf um die Freiheit Westeuropas verstärken!» lautet die anschließende Drohung. Frau Zepp-LaRouche besorgt die Analyse: «[...] Für mich besteht kein Zweifel, daß die Wahlergebnisse von Niedersachsen eine hundertprozentige Fabrikation darstellen. Wir <Pa-trioten> kennen die Stimmung der Bevölkerung genau, und kein Mensch kann mir weismachen, daß die CDU innerhalb von nur einer Woche plötzlich so viele Stimmen hat, um davon auch noch an die FDP abzugeben [...]. Den Bauern, dem Mittelstand geht es heute wirtschaftlich genauso schlecht wie vorher.»

Den Vergleich zu anderen Kleinparteien brauchen die <Patrioten> nicht zu fürchten. So erhielt die EAP bei der Landtagswahl im Jahr 1982 lediglich 1338 Stimmen, also etwa ein Zehntel der Nachfolgepartei. Die DKP erhielt beispielsweise lediglich ein Drittel der <Patrio-tem-Stimmenzahl: 3858.

In einzelnen Wahlkreisen, beispielsweise im Wahlkreis Diepholz, errangen die <Patrioten> 0,5 Prozent, ebenso in Wolfsburg, Bremer-vörde und im Wahlkreis Winsen. Festzuhalten bleibt, daß die NPD auf eine eigene Kandidatur - sicherlich zugunsten der Neugründung - verzichtete. In einigen Wahlkreisen errangen die <Patrioten> auf Anhieb mehr Stimmen als die NPD bei früheren Wahlen. Im Vergleich zur EAP war durchweg eine Verzehnfachung der Wählerschaft zugunsten der Patrioten feststellbar. Ganz in diesem Trend lag auch der Patriot Siegfried Labus, der in Buxtehude mit 205 Stimmen immerhin 0,4 Prozent errang. Nachfolgend ein Interview mit dem ehemaligen CDU-Mitglied:



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 44


 
 
 

«Ich wollte nur die Sache in Gang bringen»
Interview im Buxtebuder Tageblatt mit dem Deutschen Patrioten Siegfried Labus
 
 
 
 
 
 

Buxtehude. Siegfried Labus ist der letzte Kandidat, den wir an dieser Stelle mit einem Interview vorstellen. Der 75jährige Ingenieur für Obstbau kandidiert im Wahlkreis 69 für die «Deutschen Patrioten», die zum erstenmal antreten und als Nachfolger der «Europäischen Arbeiter Partei» eingestuft werden. Siegfried Labus wohnt in Apensen und ist erst seit kurzer Zeit bei den Patrioten. Mit dem Kandidaten sprach TAGEBLATT-Redakteur Wolfgang Stephan:

TAGEBLATT: Herr Labus, nach Ansicht des Innenministeriums sind die Deutschen Patrioten als rechtsextreme Organisation einzustufen. Warum kandidieren Sie für diese Partei?
Labus: Davon weiß ich nichts. Der Begriff Patriot ist von Schiller entliehen:
Patriot als treuer Vaterlandsgeselle und gleichzeitig Weltbürger. Das wollen wir auch sein. Dies hat mich auch gleich überzeugt, als ich vor Wochen bei einem Info-Stand der Patrioten zum erstenmal mit dem Programm in Berührung kam. Da habe ich gleich festgestellt, daß mich dies überzeugt. Da stand dann: Lieber mit beiden Beinen in der NATO, als mit dem kalten Mors in Sibirien. Erst dachte ich, da wäre ein CDU-Stand, bis ich dann die Patrioten sah.
TAGEBLATT: Habe ich das richtig verstanden: Sie sind an einem Infostand ganz zufällig mit den Patrioten bekanntgeworden und haben dann gleich kandidiert?
Labus: Ja, das hat uns natürlich einige schlaflose Nächte gekostet, denn die Entscheidung fiel mir und meiner Frau nicht leicht.
TAGEBLATT: Und so sind Sie Kandidat auf einer rechtsextremen Liste geworden.
Labus: Davon weiß ich wirklich nichts. Ich habe verschiedene Leute angesprochen, auch einen katholischen Pastor, aber auch der wußte davon nichts. Dann habe ich Leute zu mir eingeladen, von denen ich wußte, daß sie kritisch sind. Die konnten mir aber auch von einer rechtsextremen Haltung nichts berichten. Allerdings wollten die auch nichts mit den Patrioten zu tun haben, weil sie glauben, daß wir der CDU Stimmen wegnehmen. Dies möchten wir aber gar nicht. TAGEBLATT: Sie müssen doch über jede Stimme froh sein?
Labus: Ich habe selbst jahrelang CDU gewählt. Wir wollen lediglich die Stimmen auffangen, die die CDU verliert. Dies ist unser erklärtes Ziel.
TAGEBLATT: An wen soll denn die CDU Stimmen verlieren?



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 45


 

Siegfried Labus Direktkandidat im Wahlkreis Baxtehude

Labus: Indirekt verlieren sie die Stimmen deshalb, weil die Leute nicht zur Wahl gehen. Ich bin von Beruf Obstbau-Berater gewesen und habe von sehr vielen Landwirten und Bauern erfahren, daß sie mit der Politik nicht einverstanden sind. Diese Leute gehen nicht zur Wahl.

TAGEBLATT: Warum sind Sie nicht in die CDU eingetreten, wo Sie doch mit Sicherheit mehr bewirken könnten?
Labus: Ich war doch in der CDU.
TAGEBLATT: Warum sind Sie ausgetreten?
Labus: Ich kann doch schlecht in beiden Parteien sein. Obwohl die Patrioten gesagt haben, ich hätte ruhig in der CDU bleiben können. Das wollte ich aber dann doch nicht.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 46

TAGEBLATT: Was sagen denn Ihre ehemaligen CDU-Parteifreunde über Ihre Kandidatur?
Labus: Die machen mir natürlich auch den Vorwurf, ich würde Stimmen von der CDU abwerben wollen. Das stimmt aber wirklich nicht, denn es geht insbesondere um die Leute, die nicht zur Wahl gehen.
TAGEBLATT: Sie hatten ganz schnell Ihre 100 Unterschriften zusammen, damit Sie kandidieren können?
Labus: Das war überhaupt nicht schwierig, denn da haben auch viele CDU-Leute unterschrieben. Ich bin da von Haus zu Haus gegangen und habe selbst von SPD-Leuten Zuspruch bekommen, die sagten, kandidiere ruhig.
TAGEBLATT: Ich komme noch einmal auf die Frage nach der rechtsextremen Einstufung Ihrer Partei zurück.
Labus: Nein, ich habe doch alle Schriften dieser Partei gelesen. Da war nichts Rechtsextremes dabei. Da wurde sogar ein Musikquartett aus England hervorgehoben , in dem drei Juden mitgespielt haben - Mozart haben die gespielt. Wenn so etwas sogar hervorgehoben wird, können die doch nicht rechtsextrem sein. Mir fällt so etwas schon auf.
TAGEBLATT: Ihre Parteigründer kommen aber aus den USA und gehören der «Europäischen Arbeiterpartei» an, die seit Jahren mit ihrem rechten und chaotischen Programm kandidiert und nie auch nur den Hauch einer Chance hatte.
Labus: Die EAP war nicht der Vorgänger der Patrioten, sondern nur Frau LaRouche, die Vorsitzende der EAP, hat uns gegründet.
TAGEBLATT: Und jetzt wollen Sie politisch Andersdenkende verbieten. Sie fordern ein Verbot der Grünen.
Labus: Das müssen wir leider, denn wir haben ja in unserem Wahlkampf auch Grüne getroffen, und was wir da zu hören bekamen, war völlig unsachlich. Wenn Sie das Programm der Grünen, was jetzt beschlossen wurde, hernehmen, dann sagt das doch deutlich, was die Grünen wollen.
TAGEBLATT: Deswegen wollen Sie diese Partei verbieten?
Labus: Das Denken sei gestattet, das gibt Schiller auch zu. Jeder, der in einer geschlossenen Demonstration mitmarschiert, setzt sich aber den Gefahren aus, die Gewalttäter verursachen.
TAGEBLATT: Wegen der Gewalttäter können Sie doch nicht gleich eine Partei verbieten.
Labus: Doch, denn die müßten sich sonst distanzieren. Die paar Chaoten diskriminieren doch die Partei. Wenn sie gewalttätig sind, müssen wir sie verbieten.
TAGEBLATT: Herr Labus, in Ihrem Programm steht, daß Moskau die ganzen Demonstrationen steuert.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 47

Labus: Was soll ich dazu sagen? Wer soll denn sonst ein Interesse an diesen chaotischen Zuständen haben? Wir wollen keine Abkopplung von Amerika. Wir müssen klare Fronten schaffen: Wollen wir die Verbrüderung mit Rußland oder müssen wir uns dagegen wehren.
TAGEBLATT: Das Grundübel liegt also in Moskau?
Labus: Von Moskau kommt sehr viel. Zum Beispiel die Gruppen, die seit Jahren eingeschleust werden und an bestimmten Schaltstellen sitzen. Wenn es zum Kriege kommt, kappen die Leute Wasserleitungen, die Energieversorgung und solche Sachen.
TAGEBLATT: Demnach sind wir schon unterwandert? Labus: Davon bin ich fest überzeugt.
TAGEBLATT: Wissen Sie eigentlich, warum die NPD diesmal nicht kandidiert? Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang mit Ihrer Kandidatur?
Labus: Nein, unsere Leute kommen aus diesen Kreisen nicht. Wir hatten bei unserer letzten Sitzung einen NPD-Mann dabeigehabt, der war aber völlig entgegengesetzt und hat fast gestört.
TAGEBLATT: Mit wie vielen Stimmen rechnen Sie am Sonntag?
Labus: Das ist schwer zu sagen, manche glauben zwischen drei und fünf Prozent.
TAGEBLATT: Dann kämen Sie in den Landtag?
Labus: Nein, ich nicht, ich wollte nicht, da habe ich keinen politischen Ehrgeiz, ich wollte nur die Sache in Gang bringen.
(Aus: Buxtehuder Tageblatt vom 13. Juni 1986)



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 48


 
 
 
 
 

Die Europäische Arbeiter Partei EAP:
Problemlos von links nach rechts
 
 
 
 

15. September 1976, 21.00 Uhr. Das ZDF zeigt Wahlkampfspots: «Parteien zur Wahl». Helga Zepp sitzt in einem Sessel, im Hintergrund hängt ein blau gelb rotes Wahlplakat der EAP, das kaum erkennbar einen Mähdrescher in Aktion zeigt. Darüber in roten Lettern: «Statt Panzer Traktoren!» Darunter in Großbuchstaben: «Wählt EAP!»

«Ich bin Helga Zepp, Kanzlerkandidatin für die Neue Weltwirtschaftsordnung», beginnt die forsche Dame ihren Propagandaspruch. «Die Welt befindet sich an einem historischen Wendepunkt. Noch vor dem 3. Oktober muß die Entscheidung für die Neue Weltwirtschaftsordnung fallen, damit die Weltwirtschaftskrise überwunden werden kann.»

Als die EAP-Vorsitzende ihre Panik-Parole vor irritiertem Publikum verbreitete, stand weniger «die Welt» als ihre eigene Partei an einem «historischen Wendepunkt». Mitte der siebziger Jahre vollzog die EAP einen politischen Wandel wie keine andere Partei, seit es solche politischen Vereinigungen gibt. Die Europäische Arbeiter Partei schwenkte" von links nach rechts, von Marxismus auf Rechtskonservatismus.

1974 verkündete die «Arbeiterpartei» noch selbstherrlich: «Seit der Zeit, als Karl Marx die internationalen Arbeiterassoziationen leitete - das war ungefähr vor 100 Jahren -, hat nie eine so kleine Organisation einen vergleichbaren Einfluß auf den Gang der Geschichte ausgeübt.»

Heute versuchen die EAP-Leute in der Bundesrepublik die Aktivisten der rechtskonservativen Szene am Rand der Unionsparteien für ihre Arbeit zu gewinnen.
Das besonders Erstaunliche bei dem radikalen Umbruch der Partei: es gab so gut wie keine Austritte und Fraktionskämpfe, keinen
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 49


Wahlkampfder EAP 1980 (Foto: G. P. Reichelt)
Wahlkampfspot der EAP 1980 mit Helga Zepp-LaRouche (Foto: Spiegel-Archiv
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 50 + 51

 Die Gegner des Schiller-Instituts


 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 52

Wechsel in der Führungsmannschaft oder in der Parteizeitung, keine Spaltungen und Proteste einzelner Gliederungen der «Arbeiterpartei». Die Umwälzung vollzog sich gegenüber der Öffentlichkeit so reibungslos und einstimmig, wie es nicht einmal die härtesten Zentrali-sten marxistisch-leninistischer Richtung zustande bringen. Selbst die Beamten im Verfassungsschutz brauchten etliche Zeit, bis sie den Umschwung kapierten. Erst reihten sie die LaRouche-Partei in das Kapitel «Linksextremismus» ein, doch dann verschwanden die LaRouches ganz aus den Verfassungsschutzberichten. Hin und wieder werden sie heute noch von schlecht Informierten zu linksextremistischen Organisationen gezählt.

Die Gründung der Europäischen Arbeiter Partei wurde am 23. Dezember 1974 in Wiesbaden vollzogen. In der hessischen Kurstadt hat sie bis auf den heutigen Tag ihre Bundesgeschäftsstelle, nicht etwa wie andere Parteien, die um Parlamentssitze im Bundestag bemüht sind, in der Bundeshauptstadt. In Bonn wird auch kein richtiges Büro unterhalten, lediglich Redakteure der LaRouche-Publikationen arbeiten dort.

Die Gründung der EAP in der Bundesrepublik wurde von den LaRouches explizit als Resultat einiger Wahlerfolge der US-Labor Party (USLP), einer LaRouche-Partei, erklärt. Gleichnamige Parteien wurden auch in Italien, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden gegründet. Alle Gliederungen der Partei sind zu kontinuierlichem Informationsaustausch verpflichtet, national wie international.

Die Position der Parteivorsitzenden ist seit der Gründung vor zwölf Jahren mit Helga Zepp-LaRouche besetzt. Auch die anderen Männer und Frauen in der Führungsriege blieben im wesentlichen seit 1974 die gleichen. «Nur schwer in ein Parteienschema einzuordnen», schrieb der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages. Der Parteiforscher Michael Fichter von der Freien Universität Berlin hat ebenfalls Probleme mit der Einordnung. Ihre Programmatik bezeichnete er als ein «Konglomerat im Grunde genommen nicht zu vereinbarender gedanklicher Versatzstücke von idealistischen, rationalistischen und humanistischen Philosophen, von klassischen Schriftstellern und Komponisten und von sozialistischen Theoretikern».

Diese Vielfalt traditioneller Ideen, zusammengekocht zu einem wirren Brei, wird von den LaRouches jedoch als der Stein des Weisen gesehen: «Jetzt haben wir in allen wesentlichen Punkten unser historisches Erbe entdeckt - man kann uns nur als eine moderne Neugründung der platonischen Akademie von Athen beschreiben.» - Worte des großen Parteiführers Lyndon H. LaRouche.

Platons Nachfolger haben ihre Aktivitäten seit zwei Jahren jedoch



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 53

auf andere Organisationen verlagert. Die Europäische Arbeiter Partei tritt immer weniger in Erscheinung, seit die LaRouches mit anderen Neugründungen das Wählervolk mit ihrem historischen Erbe beglÜkken. Die Waffe der Partei scheint den LaRouches in ihrem politischen Kampf zu stumpf geworden zu sein. Die ganzen Kräfte steckt die Organisation seit 1984 in das Schiller-Institut und in die Patrioten für Deutschland.
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 55


 
 
 
 

2. «LaRoucheisnoJoke!»
 
 

«Ich stehe in der Tradition der Whigs des vergangenen Jahrhunderts, Quincy Adams, der Careys, der Clays und Abraham Lincolns. Ich gehe an die Probleme so heran, wie es diese Leute täten, wenn sie heute lebten.»

(LaRouche-Interview mit der New Yorker Radiostation WABC am 1. August 1986, aus: Neue Solidarität, 7. August 1986)
 



Leerseite


Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 57


 
 
 
 
 
 

LaRouche for President
Politischer Kampfund Einfluß in den USA
 
 
 
 

Chikago, Ende März 1986. Die großen Tageszeitungen sind voll mit dem Thema <LaRouche>. Newsweek machte eine große Story über den Mann mit der «bizarren» Vergangenheit. Anlaß der Artikelwelle über Lyndon H. LaRouche: bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Illinois verzeichnete LaRouches <National Democratic Policy Committee> (NDPC) überraschende Wahlerfolge. Das Stimmenergebnis wurde für den Kandidaten der Demokraten zu einem peinlichen Desaster. Gouverneurskandidat Adlai Stevenson III., der Sproß einer großen politischen Familie des Landes, wurde zwar bestätigt, nicht jedoch seine beiden engsten Mitarbeiter. Stevenson, der 1981 die Wahl zum Gouverneur von Illinois knapp um ein paar tausend Stimmen verfehlte, hatte auf einmal zwei ihm vollkommen unbekannte Gesichter neben sich. Als Kandidaten für seinen Stellvertreter-Posten und als Staatssekretärin waren bei den «Primaries» statt seiner Leute die NDPC-Kämpfer Mark Fairchild und Janice Hart durchgekommen, nach einem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen der Partei.

Für den Gouverneurskandidaten hat das schlimme Folgen. In dem entscheidenden Wahlgang kann er für die Demokraten nur mit den tatsächlich gewählten Kandidaten antreten. Als wenig erfolgversprechende Alternative bleibt ihm nur die neuerliche Kandidatur mit einer neuen, anderen Partei.

Was die LaRouches in Jubelrufe ausbrechen ließ, bescherte dem gesamten demokratischen Partei-Establishment eine der größten Pannen ihrer Geschichte. Der Pyrrhus-Sieger Adlai Stevenson III. konnte sich nicht vorstellen, tatsächlich mit den LaRouche-Anhän-gern auf seinem «Ticket» weiterzukandidieren: «Ich werde mich nicht mit Leuten liieren, die offen den Haß predigen.» Seine unfreiwilligen Helfer bezeichnete Stevenson kurz und knapp als «Neonazis».

Für die Demokratische Partei war das Wahlergebnis ein erstes Si-
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 58


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 59

gnal, die Aktivitäten der LaRouches ernster zu nehmen als bisher. Die Partei soll jetzt auf LaRouche-Kandidaten durchforstet werden.

Das ist keine leichte Aufgabe: für die Kongreßwahlen im Herbst 1986 sind bereits 146 NDPC-Kandidaten für das Repräsentantenhaus und 14 für den Senat aufgestellt. Auf der kommunalen Ebene wird es noch unüberschaubarer. Über 600 LaRouche-Kandidaten treten für Staats- und Kommunalämter an.

Damit wird eine Tendenz bestätigt, die sich schon 1984 abzeichnete. Lyndon H. LaRouches NDPC-Wahlmaschine verzeichnet wachsenden Einfluß bei den Demokraten. Dies läßt sich die eifrige Organisation auch enorme Wahlkampfgelder kosten.

Was in der Bundesrepublik von Amts wegen und von den meisten politischen Beobachtern als «wirre» und «paranoide» Verschwörungstheorie interpretiert wird, hat in den Vereinigten Staaten offensichtlich beträchtliche Wirkung auf die derzeitige Regierungspolitik. Hierzulande als «Spinnerei» einer «Sekte» abgetan, haben die La-Rouche-Positionen zunehmend Einfluß auf Aussagen und Politik der Reagan-Administration. So berichtete das Nachrichtenmagazin Time am 23. Juni 1986 über eine geheime Direktive Präsident Reagans vom April des Jahres, die ganz nach LaRouche-Muster gestrickt scheint. Die von Vizepräsident George Bush erstmalig im Juni öffentlich diskutierte Direktive erlaubt dem US-Militär, eine aktivere Rolle in der Drogen-Bekämpfung einzunehmen. Damit «jeder Amerikaner versteht», welche reale Beziehung zwischen Drogen und Terrorismus besteht, erläuterte Bush seine Veröffentlichung.

Diese Offensive im Anti-Drogen-Kampf wird mit einer These legitimiert, die zum altbekannten Repertoire der panischen LaRouche-Berichte über den Drogenhandel gehört. Linke Guerilleros, die 1985 einen blutigen Anschlag auf den kolumbianischen Justizpalast verübten, seien von der sandinistischen Regierung Nicaraguas unterstützt worden.

Das paßt zwar so recht ins Weltbild der anti-sandinistischen Reagan-Politik, mit den Tatsachen hat diese Version jedoch wenig zu tun. Nicht nur, daß die gewaltsame Räumung des Jusitzpalastes von den Besetzern unerwähnt blieb, die nach offiziellen Angaben 115 Tote gefordert hat. Alle Guerilleros des M-19-Kommandos sowie zahlreiche als Geiseln genommene Justizbeamte waren teils erschossen worden, teils verbrannt. Auch für die Berichte über eine sandinistische Beteiligung gibt es «weder Beweise noch Indizien», wie Kolumbiens Verteidigungsminister Vega Uribe klarstellte.

Die unbelegte M-19-Story geistert seit Monaten durch die La-Rouche-Publikationen. Die «sandinistischen Hintermänner» der



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 60

Besetzungsaktion von Bogota und andere Geschichten über Verstrik-kungen und Verschwörungen des «internationalen Terrorismus», über die Anführer der Drogen-Geldwäsche im «Ostküsten-Establishment» der USA und warum das alles miteinander zu tun hat, gehören zum Standard-Repertoire von LaRouche-Zeitungen und -Reden. «Auf einer Konferenz in Mexiko-Stadt im April 1985 schlug Lyndon LaRouche vor, den Krieg gegen das Rauschgift mit allen, auch militärischen Mitteln gegen den Anbau, den Handel und die Geldwäsche zu führen. Jetzt, nach eineinhalb Jahren, griffen auch Bolivien und die USA diesen Vorschlag auf und schlössen ein militärisches Kooperationsabkommen gegen den Rauschgifthandel» (Neue Solidarität am 31.7.1986).

Der «Krieg gegen das Rauschgift», von der Reagan-Administration nunmehr zur «Frage der nationalen Sicherheit der USA» erklärt, ist schon länger ein Schwerpunkt-Thema der LaRouche-Propaganda. Weltweit haben die «Anti-Drogen-Koalition (AD K)» bzw. ihre Tochterorganisationen zum militärischen Kampf gegen den Drogenhandel aufgerufen, in Pamphleten und Dossiers, mit Konferenzen und Demonstrationen. Und immerzu wurde der Krieg gegen die Drogendealer und die «Geldwäscher aus der internationalen Hochfinanz» mit dem Kampf gegen den «internationalen Terrorismus» gleichgestellt -denn die Terroristen seien die Nutznießer und Mitverursacher der Drogengeschäfte. Diese verschwörerische Verbindung wird von den LaRouches - und nunmehr auch von Vizepräsident Bush - «Narco-Terrorismus» genannt. Als «narcos» werden auch die Kokain-Dealer bezeichnet.

Die Freude war verständlicherweise bei LaRouches Leuten groß, als sie von einem bisher einmaligen Schlag der US-Militärs hörten: zum erstenmal wurden US-Truppen im Ausland gegen den Drogenhandel eingesetzt. Im Juli landete im Osten Boliviens, einem der größten Koka-Anbaugebiete der Welt, ein Mammutflugzeug der US-Armee vom Typ C-5A «Galaxy». An Bord befanden sich sechs Black-Hawk-Hubschrauber. Gleichzeitig gingen in der bolivianischen Provinz Beni C-130-Truppentransporter mit 160 Mann der in Panama stationierten 193. Infanteriebrigade nieder. Eine Gefolgschaft von rund zwei Dutzend amerikanischen Fernsehreportern und Zeitungsjournalisten sollte den großen Feldzug in bunten Bildern für die Weltöffentlichkeit aufbereiten.

Just zu dem Zeitpunkt, als Reagans Direktive für den militärischen Kampf gegen den Koka-Deal beschlossen wurde, soll die bolivianische Regierung, wie sie selbst versicherte, aus freien Stücken anläßlich einer internationalen Rauschgiftkonferenz in Buenos Aires an



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 61

Washington den Wunsch nach militärischer Hilfe gerichtet haben. Doch Beobachter, die auch von der konservativen Welt und von amerikanischen Nachrichtenmagazinen zitiert werden, behaupteten, die USA selbst hätten das lateinamerikanische Land massiv gedrängt.

Das Ergebnis war dann ganz nach der Art amerikanischer Medienereignisse gelungen. Die «Operation Hochofen» (Operation Blast Furnace) wurde mit ungeheurem Aufwand generalstabsmäßig durchgezogen, wie «eine Art Landung in der Normandie», kommentierte Jacobo Liebermann, Berater des bolivianischen Präsidenten. Und die ZeitungA^M; titelte: «USA besetzen Bolivien.» Doch die Ergebnisse waren gleich Null - zumindest was den polizeilichen Teil der Aktion angeht. Der größte Einsatz wurde gleichzeitig zum weltweit größten Flop der Drogenbekämpfung. Die magere Ausbeute war geradezu peinlich: außer einem Siebzehnjährigen wurde niemand verhaftet. Und auch dem Jugendlichen konnte nicht viel nachgewiesen werden. Er wurde in einem verlassenen, leergeräumten Koka-Labor aufgefunden. Die Rauschgiftbosse waren offensichtlich vorgewarnt worden und konnten sich rechtzeitig absetzen.

«Massive Erfolge im Kampf gegen die Kokain-Könige» vermeldete am 21. August 1986 die Neue Solidarität aus Peru. Der Bericht galt einer Aktion, die ganz nach dem Vorbild der US-Aktion verlief: «Am 9. August startete die peruanische Regierung ihre bislang umfangreichste Offensive im Krieg gegen das Rauschgift.» Ob mit der großangelegten militärischen Operation «Carapana» nur die «Kokain-Könige» gemeint waren, wird jedoch von Beobachtern bezweifelt. Die Einsätze von zwei Kampfstaffeln der peruanischen Luftwaffe scheinen eher nach dem Muster der landesüblichen Guerillabekämpfung geraten: 300 Mann, «Soldaten und Polizisten vereint», Raketen, Bomben und schwere Maschinengewehre.

Zu Hause, in Chikago, zeigen die LaRouches ihre Freude über die Militäreinsätze gegen das Rauschgift, indem sie das Flair der fernen Einsätze auf den Straßen zu Hause spüren lassen. Wie die LaRouche-Zeitschrift Krieg dem Rauschgift berichtet, machte die ND PC-Kandidatin Janice Hart ein Wahlversprechen ganz besonderer Art wahr: sie wollte «Panzer durch die Hauptstraßen Chikagos rollen lassen», falls dies im Kampf gegen die Rauschgiftmafia notwendig sei. Die Zeitschrift frohlockte: «Am 12. Mai rollten die Panzer». Ein Foto zeigte die erfolgreiche Kandidatin auf einem Panzerfahrzeug, wie sie zusammen mit dem Luftwaffenmajor a. D. Robert Patton die Parade abnimmt.

Lyndon H. LaRouche wagte einen weiteren gewaltigen Vorstoß in der Anti-Drogen-Propaganda. Er möchte nicht nur mit den Rausch-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 62


 
 
gift-Dealern und ihren Hintermännern abrechnen. Auch die Befürworter einer Legalisierung von leichten Drogen sollten standesgemäß bekämpft werden - mit der Todesstrafe.

Deshalb fragte LaRouches Anti-Drogen-Koalition artig bei dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Malaysias, Datuk Musa Hi-tarn, nach den «Grundelementen des Drogengesetzes» in dem südost-asiatischen Land. Malaysia wurde weltweit bekannt durch die schnelle Vollstreckung eines Todesurteils gegen jugendliche Drogenhändler. Musa erklärte in dem «Exklusivinterview» natürlich gerne das «schärfste Drogengesetz der Welt»: «Die Todesstrafe für Drogenbesitz wird in Malaysia sofort vollstreckt. Seien Sie also gewarnt!»


(Aus: Neue Solidarität vom 6. März 1986)

 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 63


 
 
Doch der Kampf gegen Drogen ist nur ein Betätigungsfeld der wak-keren LaRouche-Kämpfer. In Fragen der Verteidigungspolitik ist es ihnen schon früh und erfolgreich gelungen, in den Entscheidungszentren der Rüstungsplaner und -Strategen Fuß zu fassen. Auf diese Entwicklung wiesen Dennis King und Ronald Radosh schon in ihrem umfangreichen Beitrag über die LaRouche-Organisation in The New Re-public hin. Die dargelegten Fakten und Hinweise auf gefährliche Entwicklungen wurden im wesentlichen in einer Artikelserie bestätigt, die im Januar 1985 in der Washington Post veröffentlicht wurde.

Die Autoren verweisen auf die Erfolge, die die LaRouches in der amerikanischen Administration, bei Verteidigungspolitikern, Militärs und Rüstungsforschem mit ihren schon sehr früh propagierten Strahlenwaffen-Strategien erzielen konnten. Sie zitieren zahlreiche Aussagen von führenden Regierungsvertretern, Sicherheitsbeamten und Geheimdienst-Mitarbeitern, die von den Kontaktgesprächen der LaRouches berichten. So zum Beispiel erzählte ihnen Norman Bai-ley, früher führender Mann im Nationalen Sicherheitsrat, von seinem


 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 64


 

Abendessen bei den LaRouches in deren Villa in Leesburg im US-Bundesstaat Virginia. Wir dokumentieren den Bericht von Dennis King und Ranold Radosh, weil er einen gründlich recherchierten Überblick über die Entwicklung der LaRouche-Organisation in den Vereinigten Staaten gibt.

Dennis King bekräftigte seine kritische Haltung, trotz kostspieliger und aufwendiger Prozesse, nochmals nach der erfolgreichen Kandidatur der LaRouches in Illinois. In einem schon erwähnten Interview mit ABC News, die eine Sendung mit Adlai Stevenson und Janice Hart ausstrahlte, charakterisierte er Lyndon H. LaRouche als «eisenharten Neonazi». In dessen «theoretischen Schriften, von denen die Wähler in Illinois absolut nichts wissen, findet man die Schlüsselideen aus Adolf Hitlers politischem Programm wieder».
 
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 65


 
 
 
 
 

Die LaRouche-Connection

Wie die Führer einer verrückten Randgruppe Zugang zu Vertretern der US-Administration fanden und sich Respekt verschafften

Von Dennis King und Ronald Radosh *
 
 
 

Im vergangenen Jahr haben unzählige Fernsehzuschauer Lyndon LaRouches Präsidentschaftswahlkampf verfolgt und haben die politischen Reden des 62j ährigen Multimillionärs in bezahlten Femseh-spots im nationalen Femsehen verfolgt. Ihre Hauptthemen: Unterstützung der «Star Wars»-Pläne der Administration und Angriffe auf Walter Mondale und Henry Kissinger, die er als «Agenten sowjetischen Einflusses» bezeichnete. Viele amüsierte Zuschauer werden sich über die Jahre auch an kurze Begegnungen mit LaRouche-An-hängern auf größeren Flughäfen erinnern, wo sie mit Plakaten wie «Werft Jane Fonda den Walen zum Fraß vor» Käufer für ihre Broschüren und Zeitschriften zu gewinnen suchten.

Die fanatische Weltanschauung, die hinter LaRouches öffentlichen Aktivitäten steckt, ist in Washington allgemein bekannt, und er ist von so verschiedenen Organisationen und Medien wie dem AFL-CIO, der Heritage Foundation, der New York Times und der National Review rundheraus verdammt worden. Die <B'nai B'rith-Liga gegen Diffamierung> hat ihn beschuldigt, «antisemitisches Gift in den amerikanischen politischen Blutkreislauf zu injizieren». Dennoch ist es LaRouche und seinen Anhängern in den letzten vier Jahren gelungen,
 
 

* Dennis King, freier Journalist aus New York, veröffentlichte zahlreiche Beiträge über die «LaRouchians». Er ist Autor eines Berichtes der <Ligafür Industrielle Demokratie mit dem Titel «Nazis ohne Hakenkreuz» und von vielen Magazinbeiträgen und Zeitungsartikeln über politische Kulte.
Ronald Radosh ist häufiger Mitarbeiter von The New Republic und Co-Autor mit Joyce Milton von «Die Akte Rosenberg».

Nachdruck aus der amerikanischen Zeitschrift The New Republic vom 19. November 1984 (Übersetzung: Michael Hübel)
 



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 66


 

Zugang zu einer großen Zahl von Mitgliedern der Administration zu erlangen - darunter hochrangige Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats und des CIA -, denen LaRouche zur Sammlung von Nachrichten und zur Propaganda für ihre politischen Ziele genauso nützlich war wie sie für ihn, um seine Ziele zu legitimieren.

Die Basis der Anstrengungen LaRouches ist seine Kaderorganisation National Caucus of Labor Committees (NCLC), die eine Auswahl von Tarnorganisationen kontrolliert und enge Verbindungen zum Ku-Klux-Klan unterhält. Die sichtbarsten Teile seiner Organisation sind die Fusion Energy Foundation (FEF), die für Atomenergie und Strahlenwaffen eintritt, und das National Demo-cratic Policy Committee (NDPC), eine Wahlmaschine am Rande der Demokratischen Partei. Das NDPC unterstützte LaRouche in den letzten Vorwahlen als Präsidentschaftskandidat und steht nun hinter seinem Wahlkampf als Unabhängiger. LaRouche und seine Anhänger betreiben darüber hinaus noch einen internationalen «Pressedienst», der wöchentlich die Executive Intelligence Review (EIR) (Jahresabonnement $399) herausgibt und geheime Berichte an viele ausländische Regierungen, einschließlich der Republik Südafrika, lieferte.

Als Ronald Reagan ins Amt kam, schwärmten LaRouches guterzogene, sprachgewandte Anhänger in den verschiedenen Bereichen der Exekutive und in den Büros führender republikanischer Kongreßmitglieder aus. Die LaRouchians, wie sie allgemein genannt werden, stellten sich als glühende Anhänger der Administrationspolitik dar und sagten bei Senatshearings zur Besetzung von Regierungsämtem für die von Reagan vorgeschlagenen Bewerber aus. In Reagans erstem Jahr bekamen sie Zugang zu vielen hochrangigen Personen, und die EIR druckte Tonbandabschriften von sogenannten Interviews oder, in einigen Fällen, «exklusiven» Interviews - mit Landwirtschaftsminister John Block, dem Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium Richard DeLaurer, dem Unterstaatssekretär im Handelsministerium Lionel Olmer, dem damaligen Unterstaatssekretär im Finanzministerium Norman Ture, dem Assistant - jetzt Asso-ciate - Attorney General (Justizminister) Lowell Jensen und Senator John Tower, Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat. Darüber hinaus gelang es LaRouche selbst, eine Einladung für ein Frühstück mit Innenminister James Watt am 26. März 1981 zu erlangen; zwei Mitarbeiter LaRouches frühstückten in der folgenden Woche mit Watt.

Wie ehemalige LaRouchians berichten, war einer derjenigen, um die sie sich besonders bemühten, der Arbeitsminister Raymund Do-



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 67

novan. Als 1982 Beschuldigungen im Zusammenhang mit Donovans Baufirma Schiavone und organisierter Kriminalität von Sonderstaatsanwalt Leon Silverman untersucht wurden, begann LaRouches Sicherheitschef Jaffrey Steinberg seine eigene Gegenuntersuchung, um Schiavone zu unterstützen. In einem Aktenvermerk an Morris Levin, Berater und Sekretär Schiavones, beschreibt Steinberg - auf dem Briefpapier von Independent Leads, einer LaRouche-Publikation -den Fortgang seiner Arbeit und erwähnt Pläne für ein Treffen mit Robert Shortley, einem Privatdetektiv, der für Ronald Schiavone, Donovans Geschäftspartner, arbeitete. Eine Kopie dieses Vermerks beschaffte Frank Smits Jr., Student der University of Oklahoma, von einer LaRouche-nahen Quelle.

Der am 28. September 1982 vorgelegte Silverman-Bericht kam zu dem Ergebnis, daß für eine Anklage Donovans nicht genügend Anhaltspunkte vorlagen. Dennoch führte das Büro des Bezirksstaatsanwalts der Bronx danach eine eigene Untersuchung durch, die zu einer Anklage gegen Donovan und sieben Angestellte Schiavones, einschließlich Levin und Schiavone, in 137 Fällen von Diebstahl und Betrug im Zusammenhang mit dem Vertrag zum Bau eines New Yorker U-Bahn-Tunnels mündete. In einem Interview hat Levin die Verbindung zu Steinberg zugegeben: «Ich habe hin und wieder mit Jeff gesprochen», sagte er. Er sagte auch, daß er und Schiavone mehrmals Steinberg getroffen hätten und seitdem immer noch in telefonischer Verbindung stünden, um Informationen auszutauschen.

Größtenteils waren die Bemühungen der LaRouchians, 1981/82 Verbindungen mit Kabinettsmitgliedern aufzubauen, nicht sehr erfolgreich. James Watt zum Beispiel erinnert sich, daß LaRouche «alle richtigen Redewendungen benutzte, aber man bemerkte ganz instinktiv, daß etwas an ihm nicht stimmte». Dennoch setzten die LaRouchians den Wert dieser Kontakte in der Öffentlichkeit voll ein, um ihre Position in Washington zu legitimieren, während sie sich um den Aufbau von Verbindungen zu wichtigen Personen im Nationalen Sicherheitsbereich und den Nachrichtendiensten ebenso wie zu Wissenschaftlern in streng geheimen Projekten bemühten.

Die Geschichte der LaRouche-Kontakte im Nationalen Sicherheitsbereich wurde im vergangenen März in der - inzwischen eingestellten - NBC-Sendung «First Camera» von der Emmy-Preisträgerin Pat Lynch dokumentiert. Bei der Vorbereitung ihres Fernsehberichts erhielt sie von ehemaligen LaRouche-Anhängern die Namen vieler Regierungsbeamter, die sich privat mit LaRouche oder seinen Mitarbeitern getroffen hatten. Unter den von Lynch interviewten war Dr.



Helmut Lorscheid und Leo A. Müller: Deckname Schiller Seite 68

Norman Bailey, der im Dezember 1983 von seinen Ämtern als Special Assistant des Präsidenten und Senior Director der Internationalen Wirtschaftsabteilung im Nationalen Sicherheitsrat zurückgetreten war. Bailey bestätigte nicht nur die Anschuldigungen ehemaliger La-^ Rouche-Anhänger über weitreichende Verbindungen der La-Rouchians zur Administration - er rechtfertigte diese Verbindungen auch mit der Behauptung, LaRouche besitze «einen der besten privaten Nachrichtendienste der Welt».

Die NBC-Sendung erwähnte auch die neonazistischen Thesen La-Rouches, die Bedrohungen von Reportern durch seine Organisation sowie eine angebliche Diskussion zwischen LaRouche und seinen Mitarbeitern 1977 über einen Plan, Jimmy Carter mit einer ferngezündeten Bombe zu ermorden (der letztgenannte Vorwurf ist einer der Punkte in einer Schadenersatzklage, die LaRouche gegen NBC und die <B'nai B'rith-Liga gegen Diffamierung> anstrengte, in der er behauptete, diese hätten sich «verschworen», um ihn zu diffamieren. Die Klage wird zur Zeit vor dem Bundesdistriktgericht in Alexandria, Virginia, verhandelt). Am Tag nach der «First Camera»-Sendung forderte der Vorsitzende des Demokratischen Nationalkommitees, Charles Mannett, Präsident Reagan auf, die «schockierenden Verbindungen des Weißen Hauses» zu LaRouche zu beenden. Aber Larry Speakes, Sprecher des Weißen Hauses, erklärte in derselben Woche bei einem Vortrag, daß es die Politik der Administration sei, mit «jedem amerikanischen Bürger», der «hilfreiche» Informationen haben könnte, zu sprechen.

Der Grund der Verbindungen zwischen LaRouche und Mitarbeitern der Administration ist nicht eine irgendwie geartete Sympathie für LaRouches Ideologien. Selbst diejenigen, die eng mit LaRouche zusammengearbeitet haben, weisen sein