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Mittwoch, 8. November 2006, Nr. 260 / Seite 51 |
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Tod eines jungen Engländers wird die Justiz weiter
beschäftigen |
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Eltern wollen mit
Verfassungsklage neue Ermittlungen erzwingen |
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WIESBADEN. Erica und Hugo Dug-gan machen die international aktive La-Rouche-Bewegung
dafür verantwortlich, daß sie ihr Kind verloren haben. Die Wiesbadener
Staatsanwaltschaft indes ist davon überzeugt: Der 22 Jahre alte Student lief
am frühen Morgen des 27. März 2003 in Suizidabsicht auf die Schnellstraße zur
Autobahn-Auffahrt Erbenheim. Zwei Anläufe soll Jeremiah gebraucht haben,
bis er auf der Berliner Straße den Tod fand. Ein Autofahrer, heißt es, konnte
dem jungen Engländer noch im letzten Moment aus-weichen, der zweite streifte
ihn und warf ihn zu Boden, ein dritte überfuhr ihn. Die Eltern „Jerrys",
wie sie ihren Jungen nennen, haben die Selbstmordversion von Polizei und
Staatsanwaltschaft von Anfang an in Frage gestellt und auf weitere
Ermittlungen gedrungen. Und seit dreieinhalb Jahren versucht die Mutter des
jungen Mannes, „die Wahrheit aufzudecken". Denn daß „Jerry"
freiwillig in den Tod gegangen sein soll, können oder wollen seine Eltern
nicht glauben. Verliebt sei er gewesen, ein fröhlicher junger Mann voller
Hoffnungen auf eine gute Zukunft. Den deutschen Behörden werfen die Duggans
vor, kein Interesse an der Aufklärung der Todesumstände zu haben, weil sie
ihre Meinung aufrechterhalten wollten. |
folge der „psychologischen Kriegführung des britischen Empire"
dient. Leiterin des Schiller-Instituts ist Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende
und im vorigen Jahr auch Kanzlerkandidatin der Bürgerrechtsbewegung
Solidarität (Büso) und Frau von Lyndon LaRouche, der sich in Amerika als
Heilsbringer wider die „Weltkrise" geriert und einen Wirtschaftsaufschwung
mittels sofortiger Kolonialisie-rung des Mars propagiert. In Veröffentlichungen
der Büso wird LaRouche gegen angebliche Verunglimpfungen etwa der „New York
Post" in Schutz genommen, die behauptet hatte, er sei ein „Verschwörer",
gegen den „wohldokumentierte Vorwürfe des Antisemitismus und des Neonazismus
erhoben" würden. Das Schiller-Institut hat auch jegliche Verdächtigung
im Fall Duggan zurückgewiesen und den jungen Mann als psychisch labil
hingestellt. Nach Darstellung der Duggan-Anwälte dagegen ist auch die „Aktion
für Geistige und Psychische Freiheit" von der Gefährlichkeit der
„LaRouche-Sekte" und ihren „Methoden
psychischer
Indoktrination" überzeugt und hat deshalb Strafanzeige erstattet.
Über LaRouche und das Schiller-Institut gibt es auch ein autobiographisches
Buch einer Aussteigerin: Die Wiesbadenerin Aglaja Beyes-Corleis, die sich |
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Doch auch ihr
Klageerzwingungsverfahren
blieb erfolglos: Das Oberlandesgericht Frankfurt schloß sich
am 19. Juli der Einschätzung der Staatsanwaltschaft an, daß weitere Ermittlungen
zu keinem anderen Ergebnis führen würden; es gebe keine Anhaltspunkte
dafür, daß der junge Mann nicht aus freiem Entschluß vor ein Auto gelaufen
sei. Jetzt setzt das Ehepaar auf das Bundesverfassungsgericht. Und
seine deutschen Anwälte, die
Berli- |
Ein Auto
überrollte den 22 Jahre alten Engländer im März 2003, die Staatsanwaltschaft
geht von Selbstmord aus. Die Eltern machen die LaRouche-Bewegung für den Tod
verantwortlich: Ihr Sohn sei Opfer brutaler Psycho-Methoden geworden. |
nach ihrer Darstellung 20 Jahre lang nicht von der
„radikalen Politorga-nisation"
hat trennen können, gab ihm
den Titel „Verirrt". Erica
Duggan hatte schon vor
längerer Zeit Zeugen aufgeboten, die der
„antisemitisch und rechtsgerichteten
LaRouche-Sekte" angeblich
den Rücken gekehrt und ihr von „brutalen und gefährlichen Psycho-Methoden" berichtet hätten. Und von Teilnehmern jener „Friedenskonfe- |
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ner Sozietät Phillip Stucke & Nicolas Bek-ker sowie deren Bremer
Kollege Eberhard Schultz, kündigen an, notfalls den Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte in Straßburg mit dem Fall befassen zu wollen. In der
Verfassungsgerichtsbeschwerde rügen sie, der Beschluß des Oberlandesgerichts
habe Grundrechte ihrer Mandantin wie den Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt, „weil er die tragenden Argumente der Beschwerdeführerin nicht
berücksichtigt und den Antrag mit sachfremden Erwägungen zurückweist".
„Jerry" hatte in Paris studiert und war dort nach Angaben seiner Mutter
einem Vertreter der LaRouche-Bewegung begegnet. Ihr politisch unerfahrener
Sohn habe sich von dem Mann beeindruckt gezeigt: Er wisse die Antwort „auf
viele große Probleme der Welt", habe ihr Jerry gesagt. Und weil er sich
gegen den Irak-Krieg habe engagieren wollen, habe er eine Einladung des
Manns nach Wiesbaden zu einer „Friedenskonferenz" des Schiller-Instituts
angenommen. Bei dem Seminar, so will die Mutter erfahren haben, sei ihr Junge
massivem psychischen Druck ausgesetzt gewesen. Der Grund: Er habe „zugegeben",
Jude zu sein, und daß er als Kind in der Tavistock-Klinik therapiert worden
sei - ein Institut, das Lyndon LaRouche zu- |
renz" wisse sie, daß sich Leute aus dem engeren Führungszentrum des
Schiller-Zentrums ihren Sohn „richtig vorgenommen" hätten. Sechs Tage
nach Beginn des Seminars hatte ihr Sohn sie um 4.30 Uhr in der Nacht aus
Wiesbaden angerufen. Die Verbindung sei schlecht gewesen. „I'm in deep
trouble", soll Jerry gesagt haben, dann sei die Leitung tot gewesen.
Wenig später ein zweiter kurzer Anruf:
Er habe große Angst. 35 Minuten nach seinem
letzten Anruf, so die Mutter, sei „Jerry" in Wiesbaden getötet
worden. . Die Staatsanwaltschaft
Wiesbaden hat die Vorwürfe unzulänglicher Ermittlungen wiederholt
zurückgewiesen. Er kenne überhaupt keinen Todesfall, bei dem es
augenscheinlich keine Anhaltspunkte für Fremdverschulden gegeben habe, „in
dem so viel ermittelt" worden sei, hatte Oberstaatsanwalt Klaus Schulte
schon vor anderthalb Jahren versichert. Und Behördensprecher Hartmut Ferse
verwies gestern darauf, daß die Familie ja auch beim Oberlandesgericht keine
Beweise für ihre Theorie vorgelegt habe. Für Ermittlungen im
Schiller-Institut habe seine Behörde keine Veranlassung gesehen, sagte Ferse:
„Die haben ihn ja nicht auf die Straße geschubst." HEIDI MÜLLER-GERBES |
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