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Zweifel an Selbstmord-Variante: Erica Duggan und
Anwalt Nicolas Becker. Foto: wita/ Uwe Stotz |
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„Das war kein Selbstmord" |
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Erica Duggan fordert Wiesbadens Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen auf |
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Von Christoph Cuntz Erica Duggan kämpft darum, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Todes
ihres Sohnes Jere-miah
ermittelt. Der war vor
knapp zwei Jahren auf der Schnellstraße zur Auffahrt Erbenheim
in ein Auto gerannt. Seine Mutter sagt: Das war kein Selbstmord. Der Fall
Jeremiah Duggan hat die Weltpresse beschäftigt. Der Sender BBC hat mehrfach
berichtet. In britischen, italienischen und deutschen Zeitungen sind
seitenlange Artikel erschienen. Und die Washington Post hat noch im
vergangenen Oktober die Beilage ihrer Sonntagszeitung dem tragischen Tod
des jungen Studenten gewidmet. Der wäre nun 24 Jahre alt,
hätte er nicht im M,ärz 2002, kurz vor dem Irak-Krieg, eine Konferenz in Bad
Schwalbach besucht. Lyndon
LaRouche hatte dort geredet, ein fanatischer Ver-schwörungs-Theoretiker aus den USA, der in Wiesbaden Helga
Zepp-LaRouche geheiratet hatte. Mit
ihr zusammen setzt er immer neue Splittergruppen in die Welt. Die heißen mal
Europäische Arbeiterpartei, mal Bürgerrechtsbewegung Solidarität. Dann tritt
das Ehepaar mit seinem Schiller-Institut an die Öffentlichkeit. In die
Fänge der LaRouches und ihrer Anhänger war Jeremiah Duggan geraten, als er
vor zwei Jahren von Paris aus nach Wiesbaden gereist war. |
Über LaRouche wusste er nur wenig. Ihn interessierte, dass es gegen
den Irak-Krieg gehen
sollte. Doch nach wenigen Tagen Aufenthalt in Hessen weckte
Jere-miahs Anruf Erica Duggan in London. Es war der 27. März, 5.25 Uhr. Der
Student war im Rheingauviertel bei Mitarbeitern LaRouches untergekommen.
Und er befand sich hörbar in Panik. So jedenfalls die Schilderung seiner
Mutter, die nach Wiesbaden gekommen ist, um erneut Druck auf die Staatsanwaltschaft
zu machen. Tatsächlich geht die Wiesbadener Polizei davon aus, dass sich der
Student das Leben nehmen wollte. Und dass es daher niemanden gibt, gegen den
ermittelt werden könnte. Der junge Mann war nach seinem frühmorgendlichen
Telefonat Richtung Erbenheim gerannt,
auf der Schnellstraße an mehrere fahrende Autos gerempelt und zuletzt
überfahren worden. „He was killed", sagt Erica Duggan -„Er wurde
getötet." Dass er ermordet wurde, könne sie nicht sagen. Der Fall sei
ja nicht untersucht worden. Erica Duggan sitzt im Crowne Plaza Hotel vor
einem guten Dutzend Journalisten. Sie versucht, ihre in Großbritannien
gestartete Kampagne nach Deutschland zu tragen, für die sie
im Internet 30 000 Büro gesammelt hat. Damit finanziert sie ihre
umfangreichen Privater |
mittlungen. Und bezahlt ihren Anwalt aus Berlin. Der heißt Nicolas Becker
und war früher Sozius von Bundesinnenminister Otto Schily. Assistiert von
Becker trägt die 59-Jährige vor, dass „bestimmte Leute dieser Organisation"
- sie meint die der LaRouches - für die Angstzustände verantwortlich waren,
in denen sich Jeremiah vor seinem Lauf in den Tod befunden hatte.
Mitglieder, die sich von LaRouche losgesagt haben - haben Erica Duggan
gegenüber bezeugt, dass Jeremiah „richtig in die Mangel" genommen
werden sollte. Womöglich, weil LaRouche antisemitisch eingestellt ist. Und
weil Jeremiah, selbst jüdischer Herkunft, mit einigen Äußerungen bei der Bad
Schwalbacher Konferenz Probleme hatte. Der These vom Selbstmord, die die
Staatsanwaltschaft vertritt, setzt Strafverteidiger Nicolas Becker die
These von der „mittelbaren Täterschaft" entgegen. Wahlweise formuliert
er den Verdacht der
„Tötungshandlung durch Unterlassen". Dass Anklage erhoben werden
müsste, will Becker nicht fordern. Aber er findet es „ärgerlich", dass
der Fall zu den Akten gelegt wurde. Sein Antrag auf Weiterführung der
Ermittlungen ist rund 100 Seiten stark. Er liegt der Staatsanwaltschaft vor.
Deren Sprecher Klaus Schulte versicherte auf Anfrage, was Erica Duggan und
ihr Anwalt vorgetragen haben, werde geprüft. |